Hans-Georg Wolf hob hervor, wie viele Forschende aus seiner Fakultät mit ihren Projekten in Potsdam aktiv sind, studentisches Leben in die Innenstadt bringen und so die Landeshauptstadt zu einer Universitätsstadt machen. Der neue Campus auf dem Brauhausberg werde künftig ebenfalls dazu beitragen und durch seine exponierte Lage zu einem Wahrzeichen der Stadt werden, betonte Oliver Günther. Auf die Frage der Oberbürgermeisterin, ob der neue Campus auch einen Mehrwert für Nicht-Studierende schaffen wird, antwortete Hendrik Woithe: „Die Uni ist nicht nur öffentlich, sondern auch offen für alle. Jeder kann schon jetzt etwa die Bibliotheken oder die Mensa nutzen. Auf dem Brauhausberg wollen wir auch Gastronomie und Fitnessangebote ansiedeln. Außerdem hoffen wir, dass wir den Turm als Aussichtspunkt für Touristen öffnen können.“ Zudem stehen dort Tagungs- und Veranstaltungsräume mit perfekter Verkehrsanbindung und Innenstadtnähe zur Verfügung.
Mehr Leben auf dem Campus
Bei einem Rundgang über den Campus – durch die Kolonnade, vorbei an der Mensa, zur Jüdischen Theologie und den fast fertigen Häusern 16 und 17 – erläuterte Oliver Günther die erwähnten Neuerungen und Pläne für den im UNESCO-Welterbe gelegenen Standort der Universität. Anschließend ging es weiter nach Golm, wo Professor Günther den Science Park und einige der modernen Forschungsgebäude auf dem Uni-Campus zeigte. Er informierte über die wechselvolle Geschichte des Standorts und erklärte, dass die ehemaligen Panzergaragen derzeit zu einem studentischen Begegnungszentrum umgebaut werden.
Von der Landeshauptstadt wünsche man sich in Golm „mehr Leben, mehr Verdichtung, eine bessere Verkehrsanbindung – und keine schlechtere, wie in den kommenden Wochen“, sagte Oliver Günther mit Blick auf die anstehende Sperrung der Bahnverbindung zwischen Berlin und Potsdam. Generell sei die Universität jedoch sehr zufrieden mit der Entwicklung des Standorts, der zum größten Science Park in ganz Brandenburg geworden sei. Dennoch gebe es Raum für Verbesserungen, etwa bei der Anbindung an die Innenstadt oder der Umsetzung von Bauprojekten. Dringend gebraucht werden etwa zusätzliche Wohnheime für Studierende und neue Räumlichkeiten für die Hochschulambulanz, von denen auch Potsdamerinnen und Potsdamer profitieren würden, wie Prof. Dr. Notger Müller, Dekan der in Golm ansässigen Fakultät für Gesundheitswissenschaften, sagte.
Prof. Dr. Nadine Spörer, Dekanin der Humanwissenschaftlichen Fakultät, verwies im Gespräch mit Noosha Aubel besonders auf die Lehrkräftebildung am Standort und den bedeutenden Mehrwert den die in Planung befindende Universitätsschule für die Stadt haben wird. Prof. Dr. Andreas Borowski, Direktor des Zentrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung, betonte die produktive und sehr gelungene Kooperation mit den Schulen in Potsdam.
Die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät wiederum lockt viele internationale Studierende in die Region und bietet fast alle ihrer rund 15 Masterstudiengänge auf Englisch an, wie Dekan Prof. Dr. Ralph Gräf hervorhob. Damit trage die Universität zur Weltoffenheit Potsdams bei.
Universitätsstadt Potsdam
Die Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Europa, Dr. Britta van Kempen, unterstrich, dass die Universität in der Stadt noch sichtbarer werden müsse. Projekte wie „Uni findet Stadt“, „Uni trifft Schule“ oder die „KinderUni unterwegs“ arbeiten bereits an dieser Vision, sollten aber von der Stadt mehr unterstützt werden. „Das Marketing der Stadt sollte die Universität mehr aufgreifen. Wir würden gerne ‚Universitätsstadt Potsdam‘ auf den gelben Ortseingangsschildern lesen“, so van Kempen. Zum Abschluss erinnerte Oberbürgermeisterin Aubel daran, dass auch die Landeshauptstadt sparen müsse und sich künftig auf drei bis fünf Schwerpunktthemen fokussieren werde. Wenn es nach ihr gehe, sollte die Wissenschaft aber ganz klar eines davon sein.