Vorbereitung des Auslandsaufenthalts
Ich habe alle nötigen Informationen zur Bewerbung zum Erasmus+ Programm vom Koordinator an meiner Fakultät bekommen, alles Nötige für die Schritte danach kam vom International Office. Wichtig ist dort auch, sich im Moodle-Kurs einzuschreiben, um die wichtigsten Informationen zu finden.
Die Bewerbung bei der Gastuni lief über deren Online-Portal und funktionierte recht reibungslos. Allerdings solltet ihr bei der Erstellung des Learning-Agreements beachten, dass die Kurse, die auf dem Campus in Figueira da Foz unterrichtet werden (Stand 25/26), also die, die zu den Computer Music and Sound Design und Artificial Intelligence Studiengängen gehören, nicht für Erasmus-Studenten verfügbar sind. Das war für mich persönlich zunächst eine Enttäuschung, rückblickend wäre das Pendeln zwischen den Städten aber sehr herausfordernd gewesen, zumal die Stundenpläne bei der Kursbelegung kaum zu überblicken waren.
Studium an der Gastuniversität
Allgemein war die Kontaktaufnahme mit der Universität Coimbra (über das Studienportal hinaus) wechselhaft und stark von der kontaktierten Stelle abhängig. Zum Beispiel habe ich von der für internationale Studierende zuständigen Person an der Informatikabteilung auf mehr als eine Mail nie eine Antwort erhalten, von dem International Office der Uni und der Technikfakultät (FCTUC) aber schon. Im Zweifelsfall ist in das Informatikgebäude hineinlaufen und sich durchfragen, bei der Rezeption beginnend, die effektivste Art, Hilfe zu bekommen.
Hinzu kam am Anfang des Semesters, dass mindestens die Kurse nach der Frist für die Einreichung der ersten Version des Learning Agreement völlig umgekrempelt wurden. Ich musste fast alle meine Kurse im Learning Agreement umbelegen, was aber alleine unmöglich war, da nur eingeschriebene Studenten einen Blick auf die Stundenpläne werfen können und Erasmusstudenten sich nicht selbst einschreiben können. Ein hilfreicher Unimitarbeiter ist zum Glück mit mir zusammen in seinem Büro alle meine neuen Kurswünsche durchgegangen und hat sie auf Terminkonflikte überprüft. Von ihm wusste ich dann auch erstmal, wann und wo welche Kurse stattfinden, sodass ich schonmal teilnehmen konnte, ohne offiziell eingeschrieben zu sein.
Der Unialltag war nach den Startschwierigkeiten zum Glück etwas flüssiger. Hier ist zu beachten, dass einige Kurse eine Anwesenheitspflicht haben. Die Schwierigkeit der Lehrveranstaltungen ist vergleichbar mit der in Potsdam, schwankt aber stark nach Kurs. Evtl. wird etwas strenger korrigiert. Die theoretischen Unterrichtseinheiten werden durch praktische Einheiten ergänzt, in denen mit dem Dozenten zusammen Aufgaben durchgegangen werden. Arbeit über diesen Rahmen hinaus gab es aber nur für benotete Projekte, die ca. zwei Mal pro Semester fällig wurden.
Erwähnen sind zum Studienalltag in der Informatikabteilung (DEI) noch, dass ein E-Piano dort zur freien Verfügung steht. Das Gebäude ist als einziges in der Universität ständig geöffnet, sodass Studenten spät nachts noch dort arbeiten können, anders als bei den Bibliotheken, die eine lange Mittagspause haben und früh schließen. Überraschend war auch, dass die Noten von allen Studenten veröffentlicht werden. Insgesamt wirkten die Professoren aber alle, vor allem auch durch die praktischen Einheiten, sehr nahbar und hilfsbereit.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Es gab während meines Aufenthaltes von Anfang an viele Gelegenheiten, mit anderen Studierenden in Kontakt zu kommen. Für mich waren das in erster Linie der Portugiesisch-Intensivkurs und einige ESN-Veranstaltungen. Seht ansonsten zu, dass ihr in eine nette Studi-WG kommt, eure Mitbewohner werden eure Zeit zu einem großen Teil prägen. Kontakt zu portugiesischen Studierenden hatte ich überwiegend über die Uni-Kurse, ansonsten war zumindest bei den Feiergewohnheiten eine Teilung zwischen portugiesischen und Erasmus-Studis spürbar.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Vor meinem Auslandsaufenthalt habe ich am Zessko der Uni Potsdam einen Portugiesischkurs besucht. Dieser war wirklich hervorragend. Wir waren dort eine 6-Personen Runde (manchmal auch nur 2) und hatten so die volle Aufmerksamkeit unser sehr motivierten Lehrerin Lisa. Ich hatte dort das Gefühl, wahnsinnig viel zu lernen, wobei das Arbeitspensum aber human blieb. Dann habe ich in Coimbra noch den B1-Intensivkurs im September und über das Semester hinweg einen B2-Kurs für Erasmusstudenten belegt. Beide waren zwar ganz ok und ich würde sie empfehlen, sie kamen aber an den Kurs in Potsdam nicht ganz heran. Inzwischen kann ich mich, denke ich, ganz gut auf Portugiesisch verständigen, ich werde aber mit hoher Wahrscheinlichkeit noch den B2-Kurs bei Lisa im Zessko zur Festigung besuchen. Wenn ihr keine Lust habt, portugiesisch zu lernen, ist ein Erasmusaufenthalt immer noch eine gute Gelegenheit, zumindest euer Englisch zu verbessern. Die Informatikkurse im Master werden bei Anwesenheit von Erasmusstudenten auf Englisch gehalten.
Wohn- und Lebenssituation
Auf Wohnungssuche habe ich mich ziemlich spät begeben, entsprechend hoch war dann auch der Stress. Ich habe zunächst einige Tage in einem Airbnb-Zimmer verbracht und dann eine Wohnung besichtigt, die mir auch gefallen hat, obwohl sie ziemlich teuer war. Das Problem ist, dass die meisten Vermieter auf Plattformen wie Idealista nur für mindestens 12 Monate statt nur 5 vermieten wollen. So habe ich dann dem Stress nachgegeben. Bereuen tu ich es nicht wirklich, es kam dann eine sehr nette und internationale WG zustande, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe.
Zu den öffentlichen Verkehrsmitteln kann ich wenig sagen, man kann sie kostenlos benutzen, wenn man seinen Aufenthalt registriert. Habe ich aber nie getan, weil sie als sehr unzuverlässig gelten. Meistens habe ich mein Fahrrad verwendet, was im hügeligen und im Wintersemester sehr regnerischen Coimbra nicht immer die beste Idee ist. Ansonsten waren Bird-Scooter oder Ubers ziemlich günstige Alternativen.
Allgemein sind die Lebenshaltungskosten in Portugal im europäischen Vergleich sehr hoch, der Supermarkt ist oft teurer als in Deutschland. Dafür wurde man aber von der Unikantine mit wirklich sehr günstigem Essen versorgt.
Was Freizeitangebote betrifft, braucht man sich in der Unistadt Coimbra wirklich keine Sorgen zu machen, auch das lokale ESN hat ein sehr erlebnisreiches Programm. Über dessen WhatsApp-Community lassen sich auch viele Menschen mit ähnlichen Interessen finden. In der Community finden sich auch immer wieder mal Wohnungsanzeigen. Tretet also vor eurer Anreise der Community bei! Die allermeisten Partys und Veranstaltungen finden in der Altstadt statt, das Informatikgebäude befindet sich aber im Süden, fast am anderen Ende der Stadt. Behaltet das bei der Wohnungssuche im Auge.
Studienfach: Computer Science
Aufenthaltsdauer: 08/2025 – 01/2026
Gastuniversität: Universidade de Coimbra
Gastland: Portugal
Rückblick
Insgesamt hatte ich in Portugal eine schöne Zeit. Es haben sich sowohl mein Englisch als auch mein Portugiesisch verbessert. Seht zu, dass ihr nicht wie ich zu Aufenthaltsbeginn alle Aufgaben eures vorherigen Semesters abgeschlossen habt und euch so von Anfang an ganz auf euer Erasmussemester einlassen könnt. Sehr viele Aktivitäten des ESN sind auf Feiern und Saufen ausgelegt. Wenn ihr euch dabei nicht so wohl fühlt, seht euch nicht zu Sachen gedrängt, auf die ihr keine Lust habt. Ihr verpasst dabei nichts. Bedenkt, dass es kein Muster für das ideale Erasmussemester gibt und es viele andere Möglichkeiten gibt, mit netten Menschen in Kontakt zu kommen und eine tolle Zeit zu haben.