Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes
Ich bin durch meine Kommiliton*innen auf den Erasmus Auslandsaufenthalt aufmerksam geworden. Durch die vielen Vorbereitungs- und Informationsmeetings des International Office wurde ich sehr gut informiert und angeregt zur Eigenrecherche. Diese Meetings sind meiner Meinung nach essenziell, um einen guten Überblick zu behalten und alle wichtigen Dokumente rechtzeitig einzuholen und abzugeben. Außerdem bietet die Website des International Office viele hilfreiche Informationen, die bei der Vorbereitung nützlich sind. Nachdem ich meine Zusage für Kristiansand erhalten habe, wurde der Kontakt mit der Gastuniversität schnell hergestellt. Die Universität Agder stand mir bereits vorher bei Fragen schnell zur Seite und antwortet in der Regel auch zeitnah auf E-Mails. Von der Gastuniversität wurden bereits im Voraus 2 digitale Vorbereitungsmeetings angeboten, in welchen alle wichtigen Schritte erklärt, sowie Fragen beantwortet wurden. Dort wurde auch erklärt, welche Unterlagen an wen und bis wann eingereicht werden müssen, so dass man sich darum keine Sorgen machen musste. Außerdem wurde ein Gruppenchat eingerichtet, wodurch man auch leicht Ansprechpartner*innen hatte und sich mit den anderen internationalen Studierenden austauschen konnte. Daher kann ich sagen, dass die Uni Agder den Erasmus Studierenden sehr viel Unterstützung anbietet und uns den Beginn einfach gestaltet.
Studium an der Gastuniversität
Da ich Sport und Englisch auf Lehramt studiere und außerdem Bildungswissenschaften in meinem Studium habe, konnte ich Englischkurse an der Uni Agder belegen, sowie Kurse der Bildungswissenschaften, um sie mir anrechnen zu lassen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits alle meine Englisch-, sowie Bildungswissenschaftskurse im Bachelor abgeschlossen. Daher belegte ich einen Masterkurs in Englisch (EN-456 Introduction to Psycholingustics), einen Bachelorkurs in Bildungswissenschaften (PED-240 Democracy and Education), sowie den Norwegisch Sprachkurs (NO-133), mit dem das Sprachniveau A1 erlangt wird. Für mein Studium an der Uni Potsdam konnte ich mir für meinen bevorstehenden Master den Englischkurs für 6 LP anrechnen lassen, sowie den Bildungswissenschaftskurs für 6 LP. Sport wird leider nur auf Norwegisch unterrichtet und kann daher nicht von den internationalen Studierenden belegt werden.
Der Englischkurs war sehr komplex und am Ende viel zu lernen für die 4-stündige Klausur. Da habe ich gehört, gibt es Kurse mit entspannteren Prüfungsleistungen, wenn einem das lieber ist. Dennoch waren die wöchentlichen Sitzungen sehr angenehm und die Dozierenden waren sehr nett und hilfsbereit. Obwohl er als Seminar ausgeschrieben ist, handelte es sich jedoch eher um eine Vorlesung, da die Dozierenden hauptsächlich die Themen vorstellten und erklärten und wir Studierenden weniger aktiv wurden. In diesem Kurs waren es ca. 50% internationale Studierende und 50% norwegische Studierende, wodurch man Kontakt zu einheimischen Studis aufbauen konnte.
Den Kurs PED-240 kann ich sehr empfehlen. Er wurde ausschließlich von internationalen Studierenden besucht, was auch erfrischend war, da man so andere Erasmus Kommiliton*innen kennengelernt hat. In diesem Kurs gab es jede Woche einen anderen Gastvortrag zu verschiedenen Themen. Dadurch waren die Vortragenden sehr intrinsisch motiviert und haben uns zu ihrem Thema ausführlich unterrichtet. Es wurden auch 2 Ausflüge ins Archiv unternommen. Abgeschlossen wurde der Kurs mit einer mündlichen Prüfung, welche ich als sehr angenehm wahrgenommen habe.
Den Norwegisch Sprachkurs habe ich aus eigenem Interesse belegt, da ich die Sprache erlenen wollte. Dieser Kurs hat mir sehr viel Spaß gemacht und fand, anders als die anderen, zweimal wöchentlich statt. Empfehlenswert ist bereits vorher die Basics mit einer Sprachapp zu erlernen, damit einem der Start leichter fällt. Er war sehr strukturiert aufgebaut, mit wöchentlichen Hausaufgaben versehen und wurde am Ende mit einer Klausur abgeschlossen.
Was eine kleine Umstellung für mich darstellte, war allgemein die lange Kursdauer. Wenn es an der Uni Potsdam Kurse für 3 LP gibt, gehen diese in der Regel 90min. Da die Kurse an der Uni Agder teilweise 10 LP erbringen, gehen die Kurse daher 2h 45min. Dennoch ist es machbar und es werden kurze Pausen dazwischen durchgeführt.
Die Gastuniversität ist technisch sehr gut ausgestattet. Das Studium vor Ort ist ausschließlich digital, sowie die Klausuren ebenfalls digital durchgeführt werden, jedoch im Kursraum und nicht zu Hause. Es gibt genügend Steckdosen in den Räumen, Computerräume, Möglichkeiten sich Laptops auszuleihen, Druckmöglichkeiten, etc. Die Universität ist sehr neu und modern und in Norwegen wird allgemein mit unzähligen Apps gearbeitet, für alle möglichen Dinge. Es gibt eine Bibliothek, viele Sitzmöglichkeiten in der Uni, wo man lernen kann, sowie eine Mensa.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Durch meinen Englischkurs, sowie meine Mitgliedschaft in der Volleyballmannschaft hatte ich relativ viel Kontakt zu einheimischen Studierenden. Wenn man auf einheimische Studierende in den Uni Kursen zugeht, kann man diese doch recht gut kennenlernen. Gerade Sport spielt eine große Rolle in Norwegen und ist daher eine sehr gute Möglichkeit, um norwegische Kontakte zu knüpfen, vor allem, wenn man in einem Verein oder dergleichen ist.
Der Kontakt zu internationalen Studierenden war sehr schnell hergestellt, da diese meist auch gemeinsam auf dem Campus leben. Bereits bei meiner Anreise lernte ich Erasmusstudierende kennen, also haltet die Augen offen. ESN, das Erasmus Student Network, leistet großartige Arbeit, wodurch man schnell Freunde findet. Es werden viele tolle Trips, Events und Veranstaltungen angeboten, die ich sehr empfehle, um neue Menschen kennenzulernen. Bereits in der Kennenlernwoche gab es viele Angebote und Partys, später aber auch die wöchentliche Waffel Hour, Sunday Hikes, uvm. Auch wenn man nicht auf dem Campus wohnen sollte, stellt dies kein Problem dar, da es wie beschrieben genügend Möglichkeiten gibt die anderen Erasmusstudierenden kennenzulernen.
Wohn- und Lebenssituation
Wenn die Zahlen der sich bewerbenden Studierenden nicht all zu groß sind, ist einem ein Wohnheimsplatz bei SIA mit hoher Wahrscheinlichkeit gesichert. Ob man den Erstwunsch jedoch bekommt, verläuft nach dem first-come-first-serve Prinzip. Dies wird ausführlich in einem der Vorbereitungsmeetings über Zoom erklärt. Dort wird ein Datum mitgeteilt, ab wann eine Bewerbung auf ein Wohnheimsplatz möglich ist. Im Voraus kann man sich alle möglichen Apartmentformen auf der SIA Website angucken, sogar mit virtueller 3D Besichtigung. Ich habe meinen Erstwunsch bekommen und wohnte mit einer Spanierin in einer Zweier-WG auf dem Campus. Wir haben uns das Bad und die Küche geteilt und hatten jeder unser eigenes Zimmer. Auf dem Campus gibt’s es mehrere Möglichkeiten zu wohnen, einige sind sehr modern und neu, andere werden gerade renoviert und andere sind sehr schön aber nicht mehr neu. In jedem Fall bietet SIA eine gute Möglichkeit um günstig, einfach und schnell Wohnraum zu bekommen. In dem Gebäude, in dem ich gewohnt habe, gab es unter anderem auf jeder Etage Gemeinschaftsräume inkl. Fernseher, Couch, Sitzgelegenheiten, Tisch, Stühlen und Spielen. Außerdem gab es eine große Küche mit großem Tisch und Stühlen, falls man gemeinsam kochen wollte oder ein Event feierte. Ein weiteres tolles Angebot waren die Swap Rooms in fast jedem Gebäude. Diese waren bestückt mit Haushaltsgegenständen, Küchenutensilien, etc. von anderen Studierend, die diese nicht mehr benötigten und welche man sich nehmen durfte. Auch bei der Abreise war dies sehr nützlich, da man so sein Zeug weitergeben konnte. Des Weiteren gibt es in den Gebäuden auch einen Raum mit Waschmaschinen (ca. 2,50€) und Trocknern (kostenlos), welche frei zugänglich sind.
Mit dem Bus kommt man sehr schnell in die Stadt oder zur Uni, falls man nicht auf dem Campus wohnt. Einige meiner Freund*innen hatten sich auch Fahrräder geliehen oder gekauft, welche meiner Meinung nach nicht oft genug genutzt wurden, weshalb ich darauf verzichtete. Man kann jedoch auch gut in die Stadt laufen oder sich einen E-Scooter nehmen. Vom Campus und Wohnheim aus sind Supermärkte gut zu Fuß oder mit dem Bus erreichbar.
Die Lebenshaltungskosten in Norwegen sind etwas höher als in Deutschland. Dies wird bei den wöchentlichen Einkäufen schnell sichtbar. In erster Linie ist es günstiger selbst zu kochen als Essen zu gehen oder Fertigprodukte zu kaufen. Dennoch waren die Kosten gut mit der Erasmusförderung abzudecken. Man sollte beachten, dass in Norwegen fast alle mit Karte zahlen und es kaum noch Bargeld gibt, daher ist kein Bargeld nötig.
Die Uni Agder hat viele Freizeitangebote zu bieten. Zu Beginn des Semesters gab es eine Veranstaltung, bei der sich alle Vereine und Organisationen vorgestellt haben und über ihr Mitgliedsverfahren informierten. Ich war bei den Tryouts für das Volleyballteam und wurde als Mitglied genommen. Daher konnte ich in dem Semester für das KSI-Team spielen. Ich fand die Erfahrung sehr toll und würde sie sehr weiterempfehlen, weil man so in den internationalen Vereinssport gucken konnte und einheimische Kontakte geknüpft hat. Neben Volleyball gibt es aber noch viele weitere Angebote, wie Tennis, Basketball, Klettern, Eishockey, Fußball, Tanzen, Cheerleading, etc. Zudem gibt es direkt neben der Uni ein Fitnessstudio, das Spicheren. Auch das kann ich nur empfehlen. Es ist sehr neu und modern, bietet viele Sportkurse an und hat sogar eine Sauna, Schwimmbad und Kletterwand.
Studienfach: Lehramt Sek I/II Englisch und Sport
Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025
Gastuniversität: Universitetet i Agder
Gastland: Norwegen
Rückblick
Rückblickend war mein Auslandssemester in Kristiansand eins der schönsten und aufregendsten. Ich habe so viele tolle neue Menschen getroffen und Erfahrungen gesammelt, das ich noch mein Leben lang davor zehren werde. Die Universität Agder ist eine großartige Uni, die perfekt für internationale Studierende ist und für diese auch sehr gut organisiert ist. Die Stadt Kristiansand ist schön, jedoch nicht die schönste Stadt in der ich je war. Dennoch würde ich mich immer wieder für einen Auslandsaufenthalt an der Uni Agder entscheiden, da die Menschen, die Uni und auch das Umland einfach fantastisch sind! Ich kann mir wirklich keine bessere Organisation der Uni vorstellen, um ein Erasmus gut werden zu lassen.