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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Das Interesse an einem Auslandsaufenthalt bestand bei mir bereits seit Beginn meines Studiums. Aus diesem Grund habe ich regelmäßig an Informationsveranstaltungen der Universität Potsdam teilgenommen. Die Universität bietet eine Vielzahl an Meetings und Beratungsangeboten an, die rechtzeitig auf der Website angekündigt werden. Dort sind auch sämtliche relevante Informationen zum Erasmus+-Programm zu finden, die mir die Vorbereitung meines Auslandssemesters erheblich erleichtert haben. Besonders hilfreich waren die bereitgestellten Checklisten, da sie einen guten Überblick über alle notwendigen Schritte geben und dabei helfen, Fristen und Aufgaben nicht aus den Augen zu verlieren.

Von zentraler Bedeutung ist die Einhaltung der Bewerbungsfrist, die in der Regel im Januar für das darauffolgende akademische Jahr endet. Ich empfehle, sich frühzeitig zu bewerben, da teilweise nur sehr wenige Plätze zur Verfügung stehen. Zudem ist es ratsam, einen Zweit- und Drittwunsch anzugeben. In meinem Fall erhielt ich nicht meinen Erst-, sondern meinen Zweitwunsch, war im Nachhinein jedoch sehr froh darüber, da für den Erstwunsch nur ein Platz vergeben wurde. Lehramtsstudierende bewerben sich je nach Fach entweder über ihre Unterrichtsfächer oder über die Bildungswissenschaften bei den zuständigen Austauschkoordinator*innen.

Nach der erfolgreichen Bewerbung erfolgte die Kontaktaufnahme mit der Gastuniversität, in meinem Fall der Universität Bergen in Norwegen. Nach der Registrierung im System MoveOn verlief dieser Prozess größtenteils automatisch. Die Universität Bergen informierte regelmäßig per E-Mail über alle weiteren Schritte, darunter die Bewerbung für das Studium, die Kurswahl sowie die Wohnheimbewerbung. Insgesamt empfand ich die Betreuung der Erasmus+-Studierenden als sehr gut organisiert, was den Bewerbungsprozess deutlich erleichtert hat. Für mich war es außerdem wichtig, rechtzeitig einen Reisepass zu beantragen, da die Universität Bergen ein Ausweisdokument mit Geschlechtsvermerkung verlangte.

Zu den weiteren einzureichenden Bewerbungsunterlagen zählten unter anderem eine aktuelle Leistungsübersicht sowie der „Letter of Acceptance“. Diese mussten bis April über das Online-Portal „Studentweb“ hochgeladen werden. Über dieses Portal erfolgte auch die Kursanmeldung. Dabei ist zu beachten, dass für sogenannte „restricted courses“ eine frühere Anmeldefrist gilt. Wird diese verpasst, können nur noch offene Kurse belegt werden, ein nachträglicher Wechsel ist nicht möglich. Daher empfiehlt es sich, frühzeitig die Kursübersicht auf der Website der Universität Bergen einzusehen, um sich über Inhalte, Zeiträume und Zugangsbeschränkungen zu informieren.

Hilfreiche Links:

Informationen zum Erasmus+-Programm der Universität Potsdam
https://www.uni-potsdam.de/de/international/outgoing/studium/erasmus

Informationen für Austauschstudierende der Universität Bergen
https://www4.uib.no/en/studies/for-exchange-students-at-uib

Kursübersicht für Exchange Students
https://www4.uib.no/en/studies/courses-for-exchange-students


Studienfach: Lehramt für die Primarstufe

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen

Studium an der Gastuniversität

Das Studium an der Universität Bergen unterschied sich in vielerlei Hinsicht von meinem Studium an der Universität Potsdam. Der Lehramtsstudiengang ist dort der psychologischen Fakultät zugeordnet, weshalb ich eine große Auswahl an psychologischen Kursen hatte. Da es nur wenige explizit lehramtsbezogene Veranstaltungen gab, entschied ich mich zusätzlich für einen Norwegisch-Einstiegssprachkurs, den ich sehr empfehlen kann.

Auch die Verteilung der Leistungspunkte unterschied sich deutlich von dem mir bekannten System. Insgesamt belegte ich vier Kurse, die zusammen 30 Leistungspunkte umfassten. Die Bewertung erfolgte je nach Kurs entweder nach dem Schema „bestanden/nicht bestanden“ oder anhand einer Notenskala von A bis F (wobei F „Fail“ bedeutet). Die Prüfungsleistungen waren sehr vielfältig: Ich absolvierte unter anderem eine mündliche Abschlussprüfung im Sprachkurs, reichte ein Portfolio ein, schrieb eine Online-Klausur sowie ein wissenschaftliches Paper.

Besonders positiv empfand ich die Lernatmosphäre an der Universität Bergen. Die Lehrveranstaltungen fanden in verschiedenen Gebäuden und Räumlichkeiten statt, die über die gesamte Stadt verteilt waren. Zudem standen viele dieser Orte rund um die Uhr zum individuellen Lernen zur Verfügung. Zu Beginn des Semesters wurden mehrere Einführungsveranstaltungen angeboten, die es erleichterten, erste Kontakte zu anderen Austauschstudierenden zu knüpfen. In der sogenannten „Buddy Week“ wurde man in gemischte Gruppen aus internationalen und norwegischen Studierenden eingeteilt und nahm gemeinsam an verschiedenen Aktivitäten teil, wodurch man sowohl die Universität als auch das Stadtleben gut kennenlernen konnte.

Die Dozierenden reagierten sehr schnell auf E-Mails und zeigten sich stets hilfsbereit bei Fragen oder Problemen. Insgesamt herrschte eine offene, vertraute Atmosphäre, in der ich mich von Anfang an sehr willkommen fühlte. Besonders in positiver Erinnerung geblieben ist mir der Norwegisch-Sprachkurs.

Ergänzend ist anzumerken, dass sich auch die zeitliche Struktur der Lehrveranstaltungen von der in Deutschland unterscheidet: Veranstaltungen beginnen meist um Viertel nach und enden entsprechend früher, zudem gibt es in der Regel 15 Minuten Pause statt einer halben Stunde. Sehr hilfreich war außerdem die App „UiB Treet“, die einen übersichtlichen Stundenplan sowie direkte Verlinkungen zu allen wichtigen universitären Plattformen bietet.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Bereits in den ersten Wochen ergaben sich zahlreiche Möglichkeiten, Kontakte zu internationalen und einheimischen Studierenden zu knüpfen, insbesondere durch die Einführungsveranstaltungen und die Buddy Week. Die norwegischen Studierenden begegneten einem sehr offen, was den interkulturellen Austausch erleichterte. Im weiteren Verlauf des Semesters nahm der Kontakt zu einheimischen Studierenden allerdings etwas ab, da Freizeitaktivitäten häufiger mit anderen internationalen Studierenden stattfanden.

Wer gezielt Kontakte zu Norweger*innen aufbauen möchte, dem kann ich Sportangebote sehr empfehlen. Ich meldete mich beispielsweise beim Badminton-Angebot des BSI an und konnte dort einige norwegische Studierende kennenlernen. Da die meisten Austauschstudierenden im Studentenwohnheim Fantoft untergebracht sind, ist es zudem sehr einfach, Kontakte zu anderen internationalen Studierenden zu knüpfen. In Fantoft gibt es Gemeinschaftsräume sowie einen Klub, in dem man sich zum gemeinsamen Lernen, Spielen oder Austauschen treffen konnte. Darüber hinaus wurden regelmäßig Veranstaltungen wie Hobby-Cafés, Karaoke- oder Quizabende angeboten. Auch Freizeitmöglichkeiten wie Billard, Kicker und Tischtennis standen zur Verfügung und wurden häufig genutzt.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Während meines Auslandsaufenthalts konnte ich eine deutliche Verbesserung meiner Englischkenntnisse feststellen. Zwar waren viele deutsche Austauschstudierende vor Ort vertreten, dennoch bestand ein intensiver Kontakt zu Studierenden unterschiedlichster Nationalitäten, sodass Englisch die hauptsächliche Kommunikationssprache war. Auch alle von mir belegten Kurse wurden auf Englisch unterrichtet. Durch den regelmäßigen Gebrauch konnte ich sowohl mein Vokabular als auch meine grammatikalischen Kenntnisse erweitern und sicherer im Sprachgebrauch werden.

Auch im Bereich der norwegischen Sprache habe ich große Fortschritte gemacht. Bereits vor dem Aufenthalt bereitete ich mich mithilfe von Duolingo auf Norwegisch vor, was ich sehr empfehlen kann, um ein erstes Sprachgefühl zu entwickeln. Diese Vorkenntnisse halfen mir, dem Sprachkurs besser folgen zu können, da dieser thematisch relativ zügig voranschritt. Der Kurs hatte einen schulischen Charakter und arbeitete mit einem Lehrbuch, das vier Hauptfiguren begleitet, die in Bergen leben. Dadurch lernte man nicht nur die Sprache, sondern auch viel über die norwegische Kultur und den Alltag in Bergen.

Wohn- und Lebenssituation

Die Universität Bergen kümmert sich sehr engagiert um ihre Austauschstudierenden. Kurz nach der Bewerbung erhielten wir die Möglichkeit, uns über die Organisation „Sammen“ auf einen Wohnheimplatz zu bewerben. Von Beginn an wurde transparent kommuniziert, dass Austauschstudierende in der Regel zu zweit untergebracht werden, entweder in einem Zimmer mit eigener Küche und Bad oder in einer größeren Wohngemeinschaft.

Ich wurde einem Zimmer mit eigener Küche und Bad zugeteilt, das ich mir mit meiner schwedischen Mitbewohnerin teilte. Wir schliefen in einem Etagenbett und teilten uns einen Schreibtisch. Auch wenn der Platz begrenzt war, empfand ich das Zimmer als sehr gemütlich, sauber und modern eingerichtet. Andere Studierende entschieden sich für ein eigenes Zimmer außerhalb des Wohnheims, was jedoch deutlich teurer war. Mit etwa 380 € monatlich war das Wohnen im Studentenwohnheim Fantoft vergleichsweise günstig. Zudem war die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sehr gut, was die Vernetzung und Mobilität erleichterte (Monatsticket ca. 42€).

Der Campus in Fantoft verfügt über einen Supermarkt, ein Fitnessstudio sowie einen Klub, sodass man seine Freizeit gut vor Ort verbringen kann. Die Mitgliedschaft im Fitnessstudio ist ebenfalls erschwinglich (ca. 125 €) und bietet Zugang zu allen Sammen-Fitnessstudios in der Stadt sowie zu einem vielfältigen Kursangebot. Die Buchung der Kurse erfolgt über die App „Mebro“.

Darüber hinaus eignet sich Bergen hervorragend zum Wandern. Die sieben Berge rund um die Stadt bieten zahlreiche abwechslungsreiche Routen. Besonders gefallen haben mir die Wanderungen auf den Lyderhorn und den Rundemanen. Auch im gesamten Westland gibt es gut erreichbare und günstige Verbindungen zu Wandergebieten mit Hüttenübernachtungen. Mit einer Mitgliedschaft beim DNT lassen sich hierbei zusätzliche Kosten sparen. Die öffentlichen Verkehrsmittel, insbesondere die Byban und die Busse, sind sehr gut ausgebaut. Von Fantoft aus benötigt man etwa 20 Minuten in die Innenstadt, die Universitätsgebäude sind meist nur wenige Gehminuten von den Haltestellen entfernt.

Die Lebenshaltungskosten, insbesondere für Lebensmittel, sind in Norwegen deutlich höher als in Deutschland. Durch die Wahl günstiger Supermärkte wie Rema 1000 oder Kiwi lassen sich jedoch Ausgaben reduzieren. Der Supermarkt Meny in Fantoft ist zwar teurer, bietet dafür aber eine größere Auswahl.

Gespart werden kann jedoch bei der Wander-Ausrüstung. Studenten können sich bei BUA sehr viele Sachen wie Schlafsäcke und Rucksäcke (und vieles mehr) kostenlos ausleihen. Hier kann also auch bei dem Gepäck gespart werden.

Studienfach: Lehramt für die Primarstufe

Aufenthaltsdauer: 08/2025 - 12/2025

Gastuniversität: Universitetet i Bergen

Gastland: Norwegen

Rückblick

Im Großen und Ganzen kann ich ein Auslandssemester in Bergen nur empfehlen! Die Betreuung und Organisation der Universität ist sehr gut, sodass man sich sehr willkommen fühlt. Die Landschaft ist einfach wunderschön und die ganze Sport-Mentalität der Norweger steckt total an! Zeit in der Natur wird dort sehr großgeschrieben, was man auf jeden Fall gemerkt hat. Gleich zu Beginn des Herbstsemesters wurden wöchentliche Wanderungen auf die sieben Berge Bergens angeboten, die ich nur empfehlen kann mitzumachen, um alle sieben Berge mal bewandert zu haben. Aber nicht nur die direkte Natur rund um Bergen, sondern auch die Zugverbindung Richtung Odda ist eine wunderschöne Strecke mit tollen Aussichten. Von dieser Strecke aus kann man auch viele Hüttenwanderungen antreten. Generell gibt es sehr viele Hütten rund um Bergen, die mit den Öffentlichen super zu erreichen sind (App Tipp: Entur). Mein persönliches Highlight war die Trolltunga Wanderung mit Übernachtung in Odda. Dies ist allerdings eine eher längere Wanderung, die gut geplant werden muss. Shuttle Busse fahren bis zu bestimmten Startpunkten, je nachdem dauert die Wanderung kürzer oder länger. Ab Ende September/Anfang Oktober fahren gar keine Shuttle Busse mehr.

Insgesamt kann ich ein Auslandssemester in Bergen absolut empfehlen. Die Organisation und Betreuung durch die Universität Bergen sind hervorragend, sodass man sich von Anfang an willkommen fühlt. Besonders beeindruckt hat mich die Nähe zur Natur und die ausgeprägte Sport- und Outdoor-Mentalität der Norweger*innen. Zeit in der Natur zu verbringen hat einen sehr hohen Stellenwert, was sich auch im universitären Angebot widerspiegelt. Zu Beginn des Herbstsemesters wurden beispielsweise wöchentliche Wanderungen auf die sieben Berge Bergens organisiert, an denen ich sehr gerne teilgenommen habe.

Nicht nur die unmittelbare Umgebung Bergens, sondern auch die Zugverbindungen, etwa in Richtung Odda, bieten beeindruckende Landschaften und zahlreiche Möglichkeiten für Wanderungen und Hüttenübernachtungen. Eine besonders schöne Erfahrung war für mich die Wanderung zur Trolltunga mit Übernachtung in Odda. Diese Tour ist zwar anspruchsvoll und erfordert eine gute Planung, stellt jedoch ein absolutes Highlight dar. Zu beachten ist, dass die Shuttlebusse zu den Startpunkten ab Ende September bzw. Anfang Oktober nicht mehr verkehren.

Rückblickend war das Auslandssemester in Bergen eine fachlich, sprachlich und persönlich äußerst bereichernde Erfahrung, die ich jederzeit wiederholen würde.


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