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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Mir war bereits seit Anfang meines Studiums klar, dass ich im weiteren Verlauf gerne ein Auslandssemester im Rahmen des Erasmus+ Programms absolvieren möchte. Daher habe ich mich schon frühzeitig über mögliche Partnerhochschulen sowie über den Ablauf des Bewerbungsprozesses informiert.

Die Bewerbung und Vorbereitung auf den Aufenthalt durch die Universität Potsdam habe ich als sehr unkompliziert empfunden. Es wurde immer rechtzeitig über die notwendigen Schritte informiert, und durch die zahlreichen angebotenen Informationsveranstaltungen fühlte ich mich während des gesamten Prozesses gut begleitet.

Nach der Nominierung an der Gastuniversität erhielt ich einen Link zum Bewerbungsportal meiner Uni in Frankreich. Die Bewerbung über das Onlineportal war meiner Meinung nach einfach und übersichtlich. Zusätzlich gab es eine Informationsveranstaltung mit der zuständigen Ansprechpartnerin des International Office in Frankreich, bei der alle offenen Fragen geklärt werden konnten. Ein besonders hilfreiches Angebot meiner Gasthochschule war das digitale Welcome Desk, eine Website mit einer strukturierten Checkliste, die alle wichtigen organisatorischen Schritte vor der Ankunft, nach der Ankunft sowie vor der Abreise abdeckt. Zu jedem Punkt wurden zudem hilfreiche Informationen und Hinweise bereitgestellt, was die Vorbereitung deutlich erleichtert hat.

Insgesamt habe ich mich sowohl vom International Office der Universität Potsdam als auch von meiner Gastuniversität sehr gut unterstützt gefühlt.


Studienfach: Bachelor Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität:Université Toulouse – Jean Jaurès

Gastland: Frankreich

Studium an der Gastuniversität

Ich hatte einen sehr guten Studienstart an meiner Gastuniversität. Zur Unterstützung bei der Kurswahl und zur Klärung organisatorischer Fragen hatte ich bereits vor Beginn der Vorlesungen einen Termin beim Welcome Desk. Dort konnten alle offenen Fragen in einem persönlichen Gespräch mit einer Mitarbeitenden des International Office geklärt werden.

Zusätzlich fand ein Welcome Day mit einem kleinen Quiz, Infoständen und einem sehr guten Buffet mit französischem Gebäck für alle internationalen Studierenden statt. Dies war eine tolle Möglichkeit den Campus, die vielfältigen Angebote der Uni sowie andere internationale Studierende kennenzulernen.

Das Studiensystem in Frankreich unterscheidet sich deutlich von dem, was ich aus Deutschland gewohnt war. Neben den Vorlesungen gab es häufig obligatorische Tutorien mit Anwesenheitspflicht. Zudem gilt in Frankreich das System der „contrôle continu“, sodass es in den meisten Modulen bereits im November eine Midterm Klausur und dann eine finale Klausur in der Klausurenphase im Januar gab. Insgesamt empfand ich das Studium als deutlich verschulter und auch die Art der Lehre unterschied sich sehr von der in Deutschland.

Der Campus in Mirail ist sehr groß und es herrscht immer sehr viel Trubel. Einerseits hat mir diese lebendige Atmosphäre mit vielen Studierenden gut gefallen. Andererseits führte der große Andrang häufig zu langen Wartezeiten in der Mensa oder Cafeteria, und auch das Internetnetzwerk der Universität war oft überlastet, was im Studienalltag teilweise sehr anstrengend war.

Auf dem Campus gibt es meist für jede Studienrichtung ein bestimmtes Gebäude, mit einer eigenen Fachbibliothek und einem Foyer, einem Ort an dem Studierende zum Mittagessen oder auf einen Kaffee zusammenkommen können.

Die Betreuung durch die Dozierenden habe ich an der Universität teilweise als unzureichend empfunden. In vielen Modulen war es vorgesehen, dass die Dozenten nach ein bis zwei Vorlesungen wechseln, wodurch es oft schwierig war, die verantwortliche Person ausfindig zu machen. Zudem waren viele Dozierende per Mail nur schwierig erreichbar und nicht immer verständnisvoll gegenüber den Herausforderungen, denen man als Erasmus-Studierende*r an einer fremdsprachigen Universität begegnet. Es gab jedoch auch positive Ausnahmen. Insbesondere die Mitarbeitenden des International Office waren bei Problemen oder Anliegen jederzeit gut erreichbar sowie sehr hilfsbereit und entgegenkommend.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Kontakte zu internationalen Studierenden zu knüpfen, könnte in Toulouse kaum einfacher sein. Bereits beim Welcome Day bot sich die Gelegenheit, andere Studierende der Universität Jean-Jaurès kennenzulernen und auch die Organisation E.I.M.A – Erasmus International Mirail Association organisierte einige Veranstaltungen, bei denen man internationale Mitstudierende treffen konnte.

Darüber hinaus fanden fast täglich Veranstaltungen von ESN – Erasmus Student Network oder AEGEE Toulouse statt, bei denen man internationale Studierende aus der ganzen Stadt kennenlernen und gemeinsam immer eine gute Zeit verbringen konnte. Das Angebot reichte von Sprachcafés über Stadttouren und Sportveranstaltungen bis hin zu Tages- oder Wochenendtrips in die Umgebung. Durch dieses Netzwerk konnte ich viele wertvolle Kontakte knüpfen und hatte ein starkes Gefühl von Zugehörigkeit in meiner neuen Umgebung.

Der Kontakt mit einheimischen Studierenden war für mich persönlich schwieriger. In den Lehrveranstaltungen gab es oft nur wenig Möglichkeiten zum Austausch und, da ich Module aus unterschiedlichen Semestern belegte, fiel es mir teilweise schwer, mich bestehenden französischen Gruppen anzuschließen oder engere Kontakte aufzubauen. Dennoch hatte ich in vielen Kursen freundliche Ansprechpartner*innen unter den Mitstudierenden, die mir bei Fragen weiterhalfen oder Lernmaterialien teilten.

Außerdem konnte ich über meine Sportkurse mit verschiedenen einheimischen Studierenden in Kontakt kommen. Besonders als ich mich der Uni-Fußballmannschaft angeschlossen habe, konnte ich viele meiner Mitspielerinnen besser kennenlernen und ein starkes Gefühl von Teamgeist entwickeln. Darüber hinaus nutzte ich das Angebot der Universität, ein Sprachtandem zu bilden, wodurch weitere nette Bekanntschaften entstanden. Zuletzt hatte ich insbesondere durch meine WG die Möglichkeit, eine enge Freundschaft mit meiner französischen Mitbewohnerin aufzubauen.

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Sprachkompetenz vor dem Auslandsaufenthalt entsprach offiziell dem Niveau B2, mein tatsächliches Sprachlevel war meiner Meinung nach aber insbesondere in Bezug auf mündlichen Ausdruck und Grammatik etwas niedriger. Zur Vorbereitung auf das Auslandssemester habe ich zuvor an der Uni Potsdam einen Sprachkurs besucht, was ich allen Studierenden, die im Rahmen von Erasmus+ in einer anderen Sprache studieren werden, sehr empfehlen kann.

Auch wenn es zu Beginn eine gewisse Herausforderung war, alle Lehrveranstaltungen auf Französisch zu besuchen, reichten meine Sprachkenntnisse aus, um den Inhalten der Kurse folgen zu können. Durch meinen Auslandsaufenthalt hat sich meine Sprachkompetenz deutlich verbessert, nicht nur im Bereich des Hörverstehens durch den französischsprachigen Unterricht, sondern vor allem auch im mündlichen Ausdruck durch vielzählige Gespräche im Alltag.

Wohn- und Lebenssituation

Mit der Wohnungssuche habe ich vergleichsweise spät, erst nach meinen Klausuren in Deutschland, begonnen. Glücklicherweise konnte ich jedoch sehr schnell, bereits Anfang August, über die Plattform La Carte des Colocs ein WG-Zimmer finden. Preislich liegen WG-Zimmer in Toulouse zwischen 300 und 600 Euro. Ein Teil der Mietkosten kann jedoch durch das französiche Wohngeld abgedeckt werden, das man über die Caf.fr beantragen kann. Wer die Wohnungssuche vereinfachen oder eine günstigere Unterkunft bevorzugt, hat zudem die Möglichkeit, sich für ein Zimmer in einem Studierendenwohnheim beim CROUS zu bewerben. Als Erasmus-Studierende*r erhält man dort in der Regel relativ sicher ein Zimmer, das preislich, soweit ich weiß, zwischen 200 und 350 Euro liegt. Eine Besonderheit bezüglich der Wohnungssuche in Frankreich ist, dass Vermieter häufig eine sogenannte „Garantie“ verlangen, die als Absicherung für das Mietverhältnis dient. Dabei kann es sich entweder um eine Bürgschaft einer Privatperson handeln, die in der Regel ihren Wohnsitz in Frankreich haben muss oder um die sogenannte Garantie Visale, die man online beantragen kann.

Die öffentlichen Verkehrsmittel in Toulouse sind meiner Meinung nach vergleichsweise günstig und gut ausgebaut. Durch die zwei Metrolinien sowie die zahlreichen Buslinien gelangt man schnell und unkompliziert von einem Ort zum anderen. Ein Monatsabo beim Verkehrsunternehmen Tisséo kostet für Studierende nur 15 Euro. Darüber hinaus lohnt es sich, ein Fahrrad zu nutzen. Man kann entweder günstig ein gebrauchtes Fahrrad über Le bon coin finden oder noch einfacher für 20 Euro ein Jahresabo bei Vélô-Toulouse abschließen und die zahlreichen Fahrradstationen im Stadtgebiet nutzen.

Die Lebenshaltungskosten habe ich im Vergleich zu Potsdam als etwas höher empfunden, insbesondere aufgrund der höheren Lebensmittelpreise in Supermärkten. Für qualitativ hochwertige Produkte zu fairen Preisen kann ich jedoch den Wochenmarkt in Saint Aubin oder die Markthalle Victor-Hugo sehr empfehlen. Insgesamt sind die Preisunterschiede zwischen Frankreich und Deutschland nicht sehr groß und man kommt, meiner Einschätzung nach, mit dem Erasmus-Stipendium gut zu recht.

Toulouse hat meiner Meinung nach ein sehr vielfältiges Freizeitangebot. Es gibt ein großes Kulturprogramm und zahlreiche Museen in der Stadt, die am ersten Sonntag im Monat kostenlos besucht werden können. Zudem bietet die Universität ein sehr breites und größtenteils kostenloses Sportangebot an. Dies ermöglicht nicht nur viele verschiedene Aktivitäten auszuprobieren, sondern bietet vor allem auch die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen.

Toulouse als Stadt überzeugt darüber hinaus mit seinen vielzähligen schönen Gassen, kleinen Geschäften, Bars und Bistros. Besonders im Sommer kommen viele Menschen am Ufer der Garonne zusammen, zum Spazieren gehen, für ein Picknick oder um gemeinsam den Sonnenuntergang zu genießen. Nicht zuletzt bietet die Lage der Stadt die Möglichkeit für zahlreiche Ausflüge in der Umgebung: Ob Wandern in den Pyrenäen, ein Tag am Meer oder Städtetrips nach Carcassonne, Albi, Montpellier, Bordeaux oder sogar Barcelona - all das ist möglich.

Studienfach: Bachelor Psychologie

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 01/2026

Gastuniversität:Université Toulouse – Jean Jaurès

Gastland: Frankreich

Rückblick

Insgesamt war mein Auslandssemester für mich eine sehr wertvolle und bereichernde Erfahrung und ich kann nur alle, die die Chance haben, ermutigen, ein oder auch zwei Semester im Rahmen von Erasmus+ im Ausland zu verbringen. Ich habe das Leben im Süden Frankreichs sehr genossen und Toulouse ist mir in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen. Ich werde die Stadt, die Menschen und das besondere Lebensgefühl dort sicherlich vermissen.


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