Vorbereitung des Auslandsaufenthalts
Informationen über die Bewerbung befinden sich auf der Website der Universität Potsdam, sowie auf den Seiten der Fakultäten. Dabei wird angegeben, welche Sprachkenntnisse notwendig sind und wie der Bewerbungsprozess abläuft. Hilfreich für die Auswahl der Gastuniversität sind immer die Erfahrungsberichte, welche auf der Website der Universität Potsdam zu finden sind.
Die Bewerbung über das Bewerbungsportal der Universität Potsdam lief problemlos und nach Ende der Bewerbungsfrist gab es eine schnelle Rückmeldung über den Erhalt des Platzes. Vor Beginn des Auslandsstudiums gibt es verschiedene Infoveranstaltungen mit nützlichen Informationen über Zoom. Weiterhin gibt es eine Erasmus-Plattform, über die Dokumente eingereicht werden.
Die Kontaktaufnahme vonseiten der Sciences Po Bordeaux lief per E-Mail über die dortige Koordinatorin Elena Dubâa. In den Mails wurden Fristen für die Bewerbungsunterlagen genannt. Zudem ist das Vorlesungsverzeichnis (für den English Track und den French Track) online vom letzten Jahr verfügbar: https://www.sciencespobordeaux.fr/fr/international-students-and-programs.html. Das endgültige Kursangebot für das Wintersemester kam erst Ende Juni. Deshalb kann es sinnvoll sein, die Kurse schon vor Veröffentlichung des endgültigen Kursangebots in das OLA einzutragen, da die Kursauswahl nach Ankunft häufig geändert werden muss.
Die Bewerbung an der Sciences Po ist eine Formalität, die nach der Nominierung der Universität Potsdam geschieht. Die Bewerbung wird sowohl online als auch per Post (hier unbedingt die Postlaufzeiten beachten) durchgeführt. Die Bewerbung besteht aus einigen Unterlagen wie Sprachnachweisen, Versicherungsnachweisen und der Studienbescheinigung. Per Post muss ein Passbild und ein Formular (für das es eine Ausfüllhilfe gibt) gesendet werden.
Studium an der Gastuniversität
Das Studiensystem in Frankreich unterscheidet sich wesentlich von dem deutschen, da es viel verschulter ist. In den Vorlesungen und in den Seminaren notieren die französischen Studierenden meist Wort für Wort, was die Dozentin oder der Dozent sagt und es gibt viel weniger Raum für Diskussionen. Als Prüfungsleistungen gibt es häufiger Klausuren als Hausarbeiten, was dafür sorgt, dass es am Ende eine recht stressige Klausurenphase gibt. Die meisten Lehrveranstaltungen finden wöchentlich statt, aber es gibt auch einige Blockseminare. An der Sciences Po Bordeaux wird man als Gaststudent entweder in den French Track (verpflichtend ab Sprachniveau B1) oder bei einem Französisch Niveau unter B1 in den English Track eingeteilt. Ich habe im French Track studiert. Studiert man im French Track dann dürfen höchstens zwei Kurse auf Englisch belegt werden. Dabei ist ein Platz in den englischen Kursen für Studierende aus dem French Track nicht sicher, da internationale Studierende aus dem English Track bevorzugt werden. Ferner gibt es die Möglichkeit bei einem gehobenen Französisch-Niveau das AEP (oder für ein ganzes Jahr das CEP) Diplom zu absolvieren. Es sollte zuvor geschaut werden, ob die Kurse, die belegt werden müssen, um das Diplom zu erhalten anrechenbar sind, da sich diese mit der französischen Politik beschäftigen. Die Kurse haben meist 4 ECTS, sodass je nach Wahl 6-7 Kurse gewählt werden müssen. Weiterhin ist es möglich einen Französisch-Sprachkurs (mit 4 oder 6 ECTS je nach Niveaustufe) zu absolvieren. Die Kurswahl zu Beginn ist etwas chaotisch, da es möglich ist, dass nicht alle gewünschten Kurse genug Plätze haben. Nach der Kurswahl ist es jedoch mit dem System Hyperplanning einfach sich zurecht zu finden. Für mich persönlich war das Studium aufgrund der Quantität des Stoffes durchaus anspruchsvoll. Jedoch wird weniger Wert auf die Wissenschaftlichkeit gelegt. Sprachlich hatte ich im Fench Track keine Probleme.
Das Studienklima an der Sciences Po ist angenehm, da die Universität recht überschaubar und alle Lehrveranstaltungen in einem modernen Gebäude zentriert sind. Die französischen Studierenden sind sehr zuvorkommend, wenn man sie nach Mitschriften o.Ä. fragt. Bemerkbar macht sich jedoch auch der kompetitive Leistungsanspruch unter den französischen Studierenden. Positiv anzumerken sind die zahlreichen Hochschulgruppen, die viele interessante Veranstaltungen innerhalb des Semesters organisieren und an denen man als Erasmus-Student einfach teilnehmen kann.
Die Betreuung durch die Studierenden vor Ort war sehr gut. Neben einem aktiven Buddy-System bietet die Hochschulgruppe Erasmix zahlreiche Veranstaltungen an. Die Koordinatorin Elena Dubâa ist gut per Mail und vor Ort erreichbar. Die Dozierenden nehmen meist Rücksicht auf Erasmus-Studierende, die teilweise andere Prüfungsleistungen erbringen müssen, aber sie sind teilweise schwer erreichbar.
Die technische Ausstattung an der Uni ist im Vergleich zu den deutschen Unis besser. Es gibt verschiedene moderne Gruppenarbeitsräume. Die Bibliothek ist jedoch nicht sonderlich groß, was auch daran lag, dass Teile aufgrund von Renovierungsarbeiten geschlossen waren. Teilweise gab es kleinere Probleme mit dem Uni- WLAN.
Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden
Bei mir persönlich war es eher so, dass ich mehr Kontakt zu anderen internationalen Studierenden hatte und mich deshalb eher in der „Erasmus-Bubble“ aufgehalten habe. Zu einheimischen Studierenden hatte ich überwiegend an der Uni in den Kursen und in den Hochschulgruppen (Associations) Kontakt.
Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt
Meine Sprachkompetenz im Französischen hat sich gefestigt und im akademischen Bereich verbessert. Ich hatte bereits zuvor Auslandsaufenthalte in Frankreich absolviert, weshalb ich den Seminaren meist gut folgen konnte. Dennoch ist das Studium in französischer Sprache eine Herausforderung und erfordert einen zeitlichen Mehraufwand in der Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen.
Wohn- und Lebenssituation
Eine Unterkunft in Bordeaux habe ich verhältnismäßig einfach gefunden. In den Erfahrungsberichten hatte ich von dem Vermieter Pierre Marzat gehört, der im Zentrum von Bordeaux (Capucins/Victoire) WG-Zimmer und Einzelapartments an Studierende vermietet. Ich habe meine Zusage für eine Unterkunft im Mai bekommen. Interessiert man sich für die eine Unterkunft bei Pierre Marzat, dann reicht es aus eine E-Mail an marzatpuyahoopfr zu schicken und daraufhin werden verschiedene Unterkünfte vorgeschlagen. Zu beachten ist jedoch, dass die meisten Unterkünfte kleinere oder größere Mängel haben. So gibt es teilweise Probleme mit Mäusen oder Schimmel. Dennoch würde ich die Unterkünfte empfehlen, da sie recht zentral und preislich fair sind und viele andere Erasmus-Studierende um einen herum wohnen. Wenn man sich für einen Platz im Studierendenwohnheim in Pessac entscheidet, dann ist der Weg in die Innenstadt recht weit.
Zur Uni kommt man am besten mit der Tram (Linie B), was von der Innenstadt rund 20 Minuten dauert. In der Innenstadt kommt man oft am besten zu Fuß von A nach B. Ein Monatsabo für den ÖPNV kostet 35 Euro.
Da man als EU-Bürger krankenversichert ist eine Auslandsversicherung nicht unbedingt notwendig, dennoch kann eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung Sinn ergeben, wenn man auf der sicheren Seite sein möchte.
Die Lebenshaltungskosten in Frankreich sind ähnlich wie in Deutschland. Jedoch sind die Preise im Supermarkt meist etwas höher als in Deutschland.
In Bordeaux gibt es unzählige Freizeit- und Kulturangebote. Ich kann beispielsweise das Kino Utopia empfehlen https://www.cinemas-utopia.org/bordeaux/. Mit der carte jeune bekommt man dort und bei vielen anderen Veranstaltungen Vergünstigungen https://cartejeune.bordeaux-metropole.fr/ .
Studienfach: MA Internationale Beziehungen
Aufenthaltsdauer: 08/2025 – 12/2025
Gastuniversität: Science Po Bordeaux
Gastland: Frankreich
Rückblick
Ich würde empfehlen beim Wohnort auf die Anbindung an die Innenstadt zu achten. An der Uni würde ich einer Association beitreten, um Kontakte zu den französischen Studierenden zu bekommen. Insgesamt gibt es sehr viele Veranstaltungen, an denen man partizipieren kann, was eine unglaubliche Bereicherung ist. Ich selbst war Mitglied in der Hochschulgruppe für Wein Vins sur 20, die regelmäßig Verköstigungen und Ausflüge anbietet. Großartig war auch das Campusfestival Ende September. https://www.crous-bordeaux.fr/evenement/campulsations-2025-pessac/
Insgesamt ist Bordeaux eine tolle Stadt für ein Erasmus-Auslandssemester, da es sehr viele Möglichkeiten gibt, die Stadt aber dennoch übersichtlich ist. Weiterhin gibt unfassbar viele Ziele für Ausflüge und Reisen in der Region. Ich kann Arcachon, Cap-Ferret, die Dune du Pilat und zum Surfen Lacanau wärmstens empfehlen. Spannend ist auch das (französische und spanische) Baskenland. Auch kulinarisch hat Bordeaux, insbesondere der Marché de Capucins, einiges zu bieten.
Belastend war für mich der bürokratische Aufwand, der noch größer als ohnehin erwartet war. Vonseiten des International Office der Universität Potsdam wurde ich zwar immer hilfreich und nett unterstützt, jedoch hatte ich große Schwierigkeiten beim Abschluss meines Learning Agreements (was auch an meinem Studiengang liegt). Ich musste sehr viel Aufwand betreiben, um in Erfahrung zu bringen, welche Kurse mir angerechnet werden können. Insgesamt hatte ich nicht das Gefühl in meinem Vorhaben im Ausland zu studieren bestärkt, bzw. unterstützt zu werden und die Erreichbarkeit der verantwortlichen Personen war schwer (obwohl ich bereits frühzeitig mit dem OLA begonnen hatte). Vor Ort in Bordeaux war die Kurswahl und die Änderung des Learning Agreements eine Herausforderung.
Dennoch hat sich der bürokratische Aufwand gelohnt und das Erasmus-Auslandssemester in Bordeaux war eine einmalige Erfahrung, für die ich sehr dankbar bin. Ich habe viele nette und interessante Menschen kennengelernt, viele spannende Dinge erlebt und ich habe das Semester in Bordeaux genossen. Deshalb kann ich ein Auslandssemester an der Sciences Po Bordeaux empfehlen.