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Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Ich habe mich im Januar 2025 für einen Auslandsaufenthalt im Wintersemester 2025/26 über das Outgoing-Portal der Universität Potsdam beworben. Aufgrund meiner Studienrichtung (Lehramt Englisch/Mathe) standen mir Partneruniversitäten der Philosophischen und Naturwissenschaftlichen Fakultät zur Auswahl. Letztendlich habe ich mich für die University of Eastern Finland entschieden, da ich noch einige Kurse aus dem sprachwissenschaftlichen Bereich offen hatte und diese dort in ausreichender Anzahl angeboten wurden. Über die verschiedenen Partneruniversitäten habe ich mich auf den Seiten der jeweiligen Unis und vor allem durch Erfahrungsberichte informiert. Für mich persönlich war es auch wichtig, ein gutes Kursangebot zu haben und vom Studienzeitraum nicht so eingeschränkt zu werden. In Finnland beginnen die Wintersemester immer am Anfang September und enden vor Weihnachten, weshalb man nach Weihnachten zum Beispiel nicht nochmal zurückkehren muss, um Klausuren im Januar zu schreiben.

Die University of Eastern Finland ist in der Hinsicht besonders, dass sie sich auf zwei Standorte aufteilt: Joensuu und Kuoppio. Dem sollte man sich bei der Wahl auf jeden Fall bewusst sein, da die beiden Städte gute zwei Autostunden voneinander entfernt sind. Ich war in Joensuu, wo vor allem die philosophische, naturwissenschaftliche und juristische Fakultät verortet sind. In Kuoppio werden andere Studiengänge angeboten. Ein Pendeln zwischen beiden Standorten ist eher unüblich, da die Kurse eines Studiengangs auch nur jeweils an einem Campus unterrichtet werden.

Nach meiner Zusage für Joensuu durch die Austauschkoordinatorin des Anglistik-Instituts (Ende Februar/Anfang März) musste ich mich noch bei der UEF direkt bewerben. Das ging auch schnell und im Mai hatte ich dann die Zusage, dass ich im Wintersemester dort studieren kann. In dem Bestätigungsschreiben der Universität wurde mir damals alles Nötige zum Studienstart mitgeteilt und darauf verwiesen, sich um eine Unterkunft zu kümmern. In Joensuu werden die Wohnheime von „Elli“ verwaltet, die über das gesamte Stadtgebiet mehrere Wohnheime anbieten. Die meisten Austauschstudierenden wohnen in Latolankatu, Karjamäentie oder Noljakankarri. Ausgehend von den Erfahrungsberichten von anderen Uni-Potsdam Studis habe ich mich auf eine 3er-WG in Latolankatu beworben und nach kurzer Zeit (Juni) schon ein Angebot von Elli erhalten. Dieses Angebot muss man innerhalb von 3 Tagen annehmen oder ablehnen. Abgesehen davon ist im Voraus nicht viel zu klären gewesen. Ich habe mich noch um die Anreise gekümmert (Green Travel, über Schweden) und im Juni hat sich mein Buddy bei mir gemeldet. Buddies werden von der UEF direkt an die Erasmusstudierenden verteilt und sollen einem beim Zurechtfinden auf dem Campus und möglichen Fragen helfen. Wir haben uns im Voraus ein bisschen ausgetauscht und mein Buddy hat dann netterweise auch meinen Wohnheimschlüssel abgeholt und mich vom Bahnhof zum Wohnheim begleitet.


Studienfach: Englisch

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 12/2025

Gastuniversität: University of Eastern Finland

Gastland: Finnland

Studium an der Gastuniversität

Das Semester hat am 1. September begonnen und startet normalerweise mit drei Einführungstagen für alle neuen Studierenden. Wir Erasmus-Studierenden hatten am Montag und Dienstag Online-Veranstaltungen in denen wir über die Universität, Prüfungen, diverse Portale und Landeskunde aufgeklärt wurden. Um die verschiedenen Portale (Moodle, Kurswahl) besser kennenzulernen, gibt es außerdem einen extra Moodle-Kurs, bei dem alles Schritt für Schritt erklärt wird. Das hat mir persönlich echt geholfen und beim Abschluss erhält man zusätzlich noch 1 ECTS. Am Mittwoch gab es dann eine Präsenzvorlesung für alle mit weiterer Landeskunde und im Anschluss haben sich die verschiedenen Hochschulgruppen auf einer Art Messe im Foyer vorgestellt. In der Einführungswoche gibt es zudem auch immer noch eine Stadtrallye, die von der Universität zusammen mit den Fachschaften organisiert wird. Mein Buddy hat im Voraus alle von ihr betreuten Erasmus-Studierenden in eine Gruppe gepackt und gemeinsam haben wir dann am Donnerstag verschiedene Challenges im Stadtzentrum von Joensuu absolviert. Das kann ich nur empfehlen, da man dabei bereits viele neue Leute kennenlernt.

In der ersten Woche ging es außerdem nochmal darum, die Kurse zu wählen und das Learning Agreement anzupassen. Ich musste leider feststellen, dass einige Kurse doch nicht angeboten wurden und habe deswegen umgewählt. Die Kurswahl findet in Peppi statt und ist relativ ähnlich zum System in Potsdam. Bei der Wahl muss man jedoch beachten, dass das Semester in Finnland nochmal in zwei kleinere Periods aufgeteilt ist. Das bedeutet, dass manche Kurse nur in der ersten Period stattfinden (Anfang September – Mitte Oktober) und manche nur in der zweiten Period (Ende Oktober – Mitte Dezember). Die Prüfungen von 1st-period-Kursen sind dann normalerweise in der letzten Oktoberwoche. Es gibt auch Kurse, die über das ganze Semester laufen. Um herauszufinden, wann und wie häufig ein Kurs stattfindet, könnt ihr in Peppi einfach die Daten einsehen und dann euren Stundenplan zusammenstellen.

Der Aufwand für Kurse an der UEF ist im Vergleich zu Deutschland ähnlich. Besonders ist allerdings, dass alle Prüfungsleistungen und Nebenleistungen bereits im Semester absolviert werden. Dadurch kann es in einzelnen Phasen etwas stressiger sein, jedoch hat man dann in den Semesterferien auch wirklich frei. Ich persönlich habe hauptsächlich Linguistik- und Literaturkurse aus der Anglistik und Amerikanistik besucht und musste insgesamt zwei Vorträge halten, drei Klausuren schreiben und vier Essays abgeben. Als Fazit kann ich deshalb nur raten, bei der Kurswahl darauf zu achten, die Abgaben und Prüfungen gleichmäßig auf die beiden Periods zu verteilen, damit man trotzdem noch die Erasmus-Aktivitäten mitnehmen kann.

Der Campus in Joensuu verteilt sich auf mehrere Gebäude aus Backstein, was bei der Orientierung anfangs etwas kompliziert sein kann. In fast jedem Gebäude gibt es eine Mensa mit wirklich gutem Essen! Die Mahlzeiten in Finnland werden stark vom Staat subventioniert, weshalb es das vegetarische Gericht zum Beispiel nur 1,87€ kostet. Zudem gibt es zu jeder Mahlzeit einen Salat, zwei kleine Getränke und verschiedene Brotsorten mit Hummus und Butter. Die Mensen haben grundsätzlich von 11:00-14:30 Uhr offen, es gibt aber auch die Hauptmensa, die unter der Woche bis 17:30 Uhr geöffnet ist. Besonders in den Wintermonaten hat sich das dann sehr gut angeboten, dass man auch noch Abendbrot in der Mensa isst. Die Bibliothek ist offiziell von 8 bis 18 Uhr geöffnet und bietet viele verschiedene Arbeitsplätze. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Access-Key zu beantragen, mit dem man einen 24/7-Zugang erhält. Für lange Schreibsessions ist das perfekt und mit Freunden ging die Zeit auch immer sehr schnell vorbei. Die Unterrichtsräume sind durchweg gut ausgestattet. Es gibt überall schnelles WLAN, angenehmes Licht und SmartBoards, was die Seminare und Vorlesungen sehr angenehm macht.

Kontakte zu einheimischen und internationalen Studierenden

Mit finnischen Studierenden bin ich während meines Auslandssemesters tatsächlich nicht viel in Kontakt gekommen. Abgesehen von meinem Buddy belief es sich auf ein paar engere Kontakte und viele flüchtige aus den Seminaren. Mit internationalen Studierenden hatte ich wesentlich mehr zu tun. Bei dem bereits erwähnten City Orienteering in der ersten Woche war ich mit einigen Tschechen in der Gruppe, woraus sich dann innerhalb weniger Wochen ein fester Kern von 12 Leuten gebildet hat, mit denen ich vieles unternehmen konnte. Außerdem bietet JEIS (die Erasmus-Hochschulgruppe in Joensuu) ein Welcome-Event und viele weitere Aktivitäten an, bei denen man mit anderen Studierenden in Kontakt kommt. Dazu gehören unter anderem auch die International Music Nights und die SitSits, die ich persönlich sehr empfehlen kann!

Sprachkompetenz vor und nach dem Auslandsaufenthalt

Meine Sprachkompetenz im Englisch war vor dem Aufenthalt auf jeden Fall nicht schlecht, da ich zu dem Zeitpunkt bereits fünf Jahre Englisch studiert habe. Trotzdem war ich vor allem im Sprechen noch sehr unsicher, weshalb das auch der Hauptgrund für den Aufenthalt war. Nach den 3,5 Monaten in Finnland bin ich aber wesentlich selbstsicherer und fließender im Umgang mit der englischen Sprache geworden und habe auch durch die vielen Essays eine bessere Schreibroutine entwickelt. Ursprünglich hatte ich auch vor, einen Finnisch-Sprachkurs an der Universität zu belegen. Das habe ich dann aber gelassen, da es sonst vom Aufwand her zu viel geworden wäre. Trotzdem habe ich einige Wörter und Floskeln aufgeschnappt und auch mit Duolingo die ganze Zeit geübt. Ich würde aber nicht behaupten, dass ich in der Lage bin, ein gutes Gespräch auf Finnisch zu führen.

Wohn- und Lebenssituation

Mein Wohnheimzimmer war recht einfach eingerichtet: Ein Bett, ein Schreibtisch mit Stuhl und ein Schrank. Alles andere muss man sich selbst besorgen oder mitbringen. Das Studentenwerk (ISYY) bietet im Voraus die Möglichkeit, dass man sich ein Survival Package für den Aufenthalt mieten kann. Darin befinden sich dann Geschirr und Besteck, sowie ein paar Handtücher und Bettwäsche. Ich kann das nur wärmstens empfehlen und würde raten, dass Survival Package so früh wie möglich zu reservieren. Nach eurer Ankunft in Joensuu könnt ihr es dann beim Büro in der Innenstadt abholen. Der Rest der Wohnung ist auch sehr einfach ausgestattet. Allerdings gibt es da auch große Unterschiede: In manchen Wohnungen sind Stühle, Tische und Geschirr bereits von Vormietern vorhanden während andere komplett leer sind. In meiner Wohnung wohnte zum Beispiel schon länger eine Person, weshalb wir auch eine Mikrowelle und Gefriertruhe hatten, die offiziell nicht zur Grundausstattung gehören. Einen Tipp kann ich zum Einzug auch noch geben: Prüft unbedingt, ob die Bäder, Flure und Küche sauber sind und teilt es Elli mit, falls nicht! Ihr habt das Recht dazu, in saubere Räume einzuziehen und wenn das nicht der Fall ist (weil zum Beispiel Vormieter nicht richtig geputzt haben), kümmert sich Elli nochmal darum.

Vor dem Wohnheim in Latolankatu ist direkt eine Bushaltestelle, von der man bequem in die Innenstadt kommt. Die Busse fahren alle 30 Minuten bis jede Stunde und ansonsten kann man auch 500 Meter zu einer anderen Bushaltestelle laufen, wo die Busse häufiger kommen. Eine Monatskarte für den Bus kostet für Studierende circa 50€. Mir persönlich war es wichtig ein Fahrrad zu haben damit ich flexibel bin. Die Stadt bietet günstige Leihräder an, die jedoch bei meiner Ankunft schon vergriffen waren. Ich habe mich deswegen bei Facebook Marketplace und Tori das ist das finnische Ebay Kleinanzeigen umgesehen und dann über meinen Buddy (für Tori braucht man einen finnischen Bank-Account) einen Verkäufer angeschrieben. Drei Stunden später hatte ich mein neues Mountainbike, welches ich bei meiner Abreise auch fast für den gleichen Preis wieder verkaufen konnte. Grundsätzlich war das Fahrrad die beste Investition, da man mit den Bussen abends kaum noch wegkommt und viele Orte in Joensuu auch nicht so leicht mit dem Bus zu erreichen sind. Ursprünglich hatte ich geplant, das Fahrrad schon Anfang November zu verkaufen. Da es jedoch erst ab Dezember Schnee gab, konnte ich es bis zum Ende verwenden. Auch hier noch ein Tipp: Wetterfeste Kleidung fürs Fahrradfahren kann nicht schaden, da es in Joensuu auch gerne mal regnet.

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht nicht so aussieht, hat Joensuu viele Freizeitaktivitäten zu bieten. Es gibt mehrere Bars und Clubs in der Innenstadt (mein persönlicher Favorit ist BarPlay) in denen man sich abends mit Freunden treffen kann. Das Studentenwerk bietet über das Programm „Sykettä“ diverse Sportkurse an. Zahlt man den Beitrag von rund 40€ kann man über eine App diverse Sportkurse kostenlos buchen oder nur mal reinschnuppern. Ich habe zum Beispiel Spinning, Snooker und Eiskunstlauf ausprobiert, aber es gibt noch diverse andere Sportarten. JEIS bietet über das Semester hinweg mehrere Gesellschaftsabende an, bei denen man in die finnische Kultur eintaucht oder internationale Speisen von anderen Studierenden kostet. Außerdem gab es die Möglichkeit über die Organisation TimeTravels Trips nach Lappland und auf die Lofoten zu buchen. Ich bin auf die Lofoten mitgekommen und kann das nur wärmstens empfehlen. Ihr müsst auch nicht alle Aktivitäten dazubuchen, da man sich in dem Ort der Unterkunft gut beschäftigen kann. Lediglich der Tagesausflug nach Reine ist ein Muss. Ist man dann wieder in Joensuu zurück bietet sich die Umgebung für diverse Unternehmungen an. Ich war beispielsweise mehrfach im Nationalpark Koli wandern, mit Freunden in Wäldern Fahrrad fahren und spazieren oder wir haben auf der Halbinsel vor Joensuu ein Lagerfeuer gemacht (es gibt unzählige Grillplätze mit gratis Feuerholz, die von der Stadt betreut werden). Ein Muss war für mich auch der Besuch einer traditionellen finnischen Sauna. In den Elli-Wohnheimen gibt es einmal pro Woche einen öffentlichen Slot (getrennt nach Geschlechtern), zu dem man gehen kann oder man mietet sich einen privaten Slot für eine Stunde. Da anfangs aber die Slots alle schon ausgebucht waren, habe ich mir beim Jääkarhut eine Mitgliedschaft für ein halbes Jahr gekauft und konnte dann dort die Saunen unbegrenzt nutzen. Zwar musste ich dann jedes Mal 7km hin und zurück fahren, aber wenn man einmal da war, macht man das auch immer wieder gerne. Der Vorteil im Vergleich zur Wohnheim-Sauna besteht darin, dass es zwei Saunen gibt (85 Grad und 105 Grad) und man sich zwischendurch immer kurz im See abkühlen kann. Wenn ich nochmal nach Joensuu gehen würde, wäre das Sauna-Abo das erste, was ich abschließen würde. Als kleiner Tipp für Sauna-Fans: Das Wohnheim in Karjamäentie liegt am nächsten zu der Sauna und hat ab 2026 auch einen Lidl in der Nähe. Dort kann man dann auch nochmal recht günstig einkaufen.

Studienfach: Englisch

Aufenthaltsdauer: 09/2025 - 12/2025

Gastuniversität: University of Eastern Finland

Gastland: Finnland

Rückblick

Insgesamt muss ich sagen, dass ich total froh bin, mein Auslandssemester in Finnland gemacht zu haben. Ich habe so viele neue Freunde gefunden und Erfahrungen gemacht, die mir persönlich sehr weitergeholfen haben. Selbstverständlich kann man das auch in anderen Städten gut machen, aber wenn du gerne in der Natur bist, eine kleinere Stadt wie Joensuu fürs Studium bevorzugst und moderne Lehre in der Uni erleben willst, bist du in Joensuu genau richtig!


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