Wir leben in einer Zeit, in der so ziemlich alle Zutaten für eine gesunde Ernährung nur einen Gang zum Supermarkt weit entfernt sind. Welche Mineralien und Spurenelemente fehlen uns da heute überhaupt noch?
Es ist wichtig, nicht nur die absoluten Mengen an oral zugeführten Spurenelementen und Mineralien zu betrachten, sondern auch, wie viel davon tatsächlich bioverfügbar ist, also über den Darm aufgenommen wird. Bestimmte Erkrankungen, Ernährungsweisen und auch das Alter können die Aufnahme dieser Mikronährstoffe im Darm beeinflussen und eine unzureichende Versorgung zur Folge haben. Besonders mit Eisen, Zink und Jod sind bestimmte Bevölkerungsgruppen weltweit – auch in Deutschland – unzureichend versorgt.
Wo braucht es noch mehr Aufklärung und was könnten Politik und Gesundheitssystem hier besser machen?
Zu wenigen Menschen ist klar, dass das Motto „Viel hilft viel“ nicht für die Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln gilt, auch nicht für solche mit essenziellen Spurenelementen oder Mineralstoffen. Gleichzeitig ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass für bestimmte Bevölkerungsgruppen eine ausreichende Zufuhr wichtiger Mikronährstoffe durch eine ergänzende Supplementierung zusätzlich zur ausgewogenen Ernährung notwendig ist – diese muss sichergestellt und kontrolliert werden.
Ist es für Vegetarier*innen und Veganer*innen schwerer, die nötigen Spurenelemente und Mineralien über die Ernährung aufzunehmen?
Pflanzliche Nahrungsmittel enthalten überwiegend ausreichend hohe Konzentrationen an essenziellen Spurenelementen wie Zink, Mangan, Kupfer und Eisen. Diese Lebensmittel enthalten aber auch Stoffe, die die Aufnahme von bestimmten Spurenelementen hemmen, wie die Phytinsäure, die stabile Komplexe mit Zink und Eisen im pH-Wert des Darms bildet und somit deren Aufnahme in den Körper verhindert. Im Gegensatz dazu deutet die Forschung darauf hin, dass eine proteinreiche Nahrung deren Aufnahme begünstigt. Wir benötigen hier jedoch eine bessere Datenlage zur Versorgung von Veganer*innen und Vegetarier*innen in Deutschland mit den Spurenelementen.
Einige Beiträge der Tagung befassen sich mit der Tierhaltung. Wie wichtig ist es für unsere Ernährung, dass auch Nutztiere genügend Spurenelemente zu sich nehmen?
In der modernen Tierhaltung ist eine Supplementierung mit essenziellen Spurenelementen unerlässlich, um die Gesundheit, Leistungsfähigkeit, das Wachstum sowie einen effizienten Stoffwechsel der Tiere zu gewährleisten. Mangelerscheinungen müssen hier ebenso verhindert werden wie beim Menschen. Gleichzeitig ist eine Überversorgung mit diesen Mikronährstoffen zu vermeiden, um die Produktion tierischer Produkte sicherzustellen.
Was war der größte Durchbruch in der Forschung zu Spurenelementen und Mineralien in den letzten Jahren?
Meiner Meinung nach die Erkenntnis, dass Spurenelemente und Mineralien nicht einzeln wirken, sondern sich gegenseitig beeinflussen und daher gemeinsam betrachtet werden müssen. Was unsere Forschung an der Universität Potsdam betrifft, gab es zwei wesentliche Durchbrüche: zum einen die Erkenntnis, dass die viskoelastische Mukusschicht im Darm ein relevanter Faktor für die Zinkaufnahme ist, und zum anderen, dass Spurenelemente wiederum für die Bildung des Darmmukus relevant sind.
Was haben Metalle mit Darmgesundheit zu tun?
Die Metalle Zink und Eisen sind essenzielle Spurenelemente und spielen eine wichtige Rolle für die Darmgesundheit, da sie das Immunsystem im ganzen Körper und damit auch die Immunabwehr des Darms unterstützen. Darüber hinaus ist Zink unerlässlich für die Zusammensetzung und Stabilität der intestinalen Mukusschicht, die eine zusätzliche Schutzbarriere für den Körper gegen Krankheitserreger und eine wichtige Energiequelle sowie einen Lebensraum für intestinale Mikrobiota, besser bekannt als Darmflora, darstellt. Ist diese Schutzbarriere gestört, können Krankheitserreger die Darmwand besser erreichen, sich krankmachende Bakterien anreichern, wodurch es zu Infektionen und Entzündungskrankheiten im Darm kommt.
Worum wird es bei der 40. Jahrestagung der Gesellschaft für Mineralstoffe und Spurenelemente gehen und was sind aus Ihrer Sicht die Höhepunkte im Programm?
Die 40. Jahrestagung 2026 wird unter dem Titel „Minerals and Trace Elements: Bridging Analytical Innovation and Health Outcomes“ einen besonderen Fokus auf “Elementspezies-Analytik und Bildgebende Verfahren” für Spurenelemente und die “Rolle der Spurenelemente in Erkrankungen” legen. Das Programm enthält eine Reihe interessanter Vorträge von deutschen und internationalen Expert*innen aus den jeweiligen Gebieten – darunter bereits etablierte Wissenschaftler*innen und auch Young Scientists. Darüber hinaus werden auch die neuesten analytischen Techniken und Methoden vorgestellt, so zum Beispiel in unserer Analytical Lunch Session.
Link zur Jahrestagung: https://gmsev.de/gms-annual-meeting-2026/