Ringvorlesung: Genocide, Settler colonialism, Modernity - Vortrag: The New Age of Genocide: Intellectual and Political Challenges after Gaza
Im Gegensatz zur Selbstbeschreibung der westlichen Moderne als zivilisiert, aufklärerisch, demokratisch und friedfertig, thematisieren die Vorträge der internationalen Vorlesungsreihe die verschwiegene, verheimlichte und tabuisierte Seite des Westens. Nicht erst seit dem Genozid in Gaza – aber spätestens aufgrund dieses andauernden Menschheitsverbrechens – müsste sowohl die Soziologie als westliche Wissenschaft, deren ureigenster Gegenstand die Moderne ist, als auch der öffentliche und politische Diskurs die Geschichte, Wurzeln und Tradition westlicher Gesellschaften kritisch hinterfragen. Das geschieht, wenn überhaupt, dann nur zögerlich und ohne große aufklärerische Bereitschaft. Westliche Gesellschaften – Deutschland ist hier ein Paradebeispiel – ziehen es vor, in selbstverschuldeter Unmündigkeit zu bleiben, statt sich in aufklärerischer Manier schonungslos mit ihrer eigenen Geschichte und den begangenen Verbrechen zu befassen.
Die Vorträge international herausragender Forscher befassen sich im Gegensatz zu diesem Verschweigen in kritischer Perspektive mit der siedlerkolonialen Tradition und Gegenwart der westlichen Moderne, Europas kolonialen Wurzeln und der deutschen kolonialen Tradition, mit der völlig neu zu diskutierenden Frage des Genozids als Folge von Gaza sowie mit zentralen Aspekten von Apartheidsregimen und Problemen ihrer Überwindung.
Today's lecture will explore the importance of genocide as a socio-historical as well as a legal concept and argue that Gaza has shown the inadequacy of approaches to mass violence which reject the idea. Martin Shaw will argue that denial is a fundamental concomitant of genocide, and that in the case of Gaza, this is casting a long shadow in world politics, with profound implications for Europe’s current crisis.
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