Gastvortrag: „Borges und die deutsche Sprache – 'schöner als die Literatur, die sie hervorgebracht hat'“
Am 10.06.2025 um 16 Uhr hält Dr. Hernán D. Caro im Rahmen des Forschungskolloquiums Romanische Literatur- und Kulturwissenschaft einen Gastvortrag im Raum 1.19.0.13.
Unter den zahlreichen Klischees und Missverständnissen über Jorge Luis Borges findet sich auch die Behauptung, der argentinische Autor habe die deutsche Literatur leidenschaftlich geliebt und sei maßgeblich von ihr geprägt worden. Die Wirklichkeit ist jedoch komplexer.
Borges verehrte die deutsche Sprache: ihre Präzision, ihren Klangreichtum und ihre schöpferische Kraft. Sein Verhältnis zur deutschen Literatur hingegen war von Paradoxien geprägt. Gerade jene Autoren, die im deutschen Sprachraum als kanonisch und international repräsentativ gelten, ließen ihn oft gleichgültig oder stießen ihn sogar ab. Seine eigentlichen literarischen Helden waren – mit Ausnahme des Sonderfalls Franz Kafka – weniger die großen Klassiker als vielmehr Außenseiter, Grenzgänger und heute vielfach vergessene Autoren.
Der Vortrag untersucht Borges’ eigensinnige Beziehung zur deutschen Literatur. Zugleich richtet er den Blick auf die umgekehrte Perspektive: auf die Zurückhaltung und Skepsis, mit der Borges’ Werk in Deutschland lange Zeit aufgenommen wurde.
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