Für ihre Übersicht werteten die Forschenden Erkenntnisse unter anderem zu Tierwohl und Tiergesundheit, Lernverhalten sowie Tiermonitoring und Weidemanagement aus. Die bisherigen Studien lassen im Vergleich zu konventionellen elektrischen Zäunen keine langfristigen negativen Auswirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit der Weidetiere erkennen.
Untersuchungen mit Rindern, Schafen und Ziegen zeigen zudem, dass die Tiere innerhalb weniger Tage lernen können, das akustische Warnsignal mit dem elektrischen Impuls zu verknüpfen und diesen durch eine entsprechende Reaktion zu vermeiden. „Die bisherigen Forschungsergebnisse zeigen, dass Weidetiere den Umgang mit virtuellen Zäunen innerhalb weniger Tage erlernen können und langfristig keine negativen Auswirkungen auf Tierwohl und Tiergesundheit im Vergleich zu konventionellen Elektrozäunen erkennbar sind“, sagt Erstautorin Dr. Dina Hamidi von der AG Biodiversität/Systematische Botanik der Universität Potsdam. „Aus unserer Sicht spricht die wissenschaftliche Evidenz deshalb dafür, einen klaren rechtlichen Rahmen für den Einsatz virtueller Zaunsysteme in Deutschland zu schaffen.“ In Potsdam werden weitergehende Potenziale der Technologie in den beiden Projekten SAGE und WeiTiMo untersucht.
Die Technologie bietet vielversprechende Möglichkeiten für ein flexibleres Weidemanagement. Position und Aktivität der Tiere lassen sich kontinuierlich erfassen, während es möglich ist, die Weidegrenzen digital zu verändern. So können beispielsweise ökologisch sensible oder von Überweidung bedrohte Bereiche gezielt von der Beweidung ausgeschlossen werden. Innerhalb einer mit einem physischen Außenzaun gesicherten Weide kann zudem der Arbeits- und Materialaufwand für das Setzen, Kontrollieren und Versetzen weiterer Zäune sinken. Das Autorenteam empfiehlt daher, virtuelle Zaunsysteme rechtlich als eigenständige Technologie differenziert zu bewerten. Dabei sprechen sich die Fachleute grundsätzlich für feste Außenzäune aus. In begründeten Ausnahmefällen, etwa im alpinen Raum oder auf Deichen, sollte auf einen festen Außenzaun verzichtet werden können.
Originalveröffentlichung:
Hamidi, D., Blumenthal, V., Bösel, B., Bodt, C., Christiansen-Weniger, J., Hoffmann, G., Isselstein, J., Koch, F., Langbein, J., Louton, H., Pinto, S., Rauch, E., Riesch, F., Schärfe, D., Schwerdtfeger, J., Sturm, A., Teitscheid, M., Thurner, S., Töpperwein, L., Toups, J., Umstätter, C.
(2026). Wissenschaftliche Evidenz als Grundlage für die Zulassung virtueller Zaunsysteme. Thünen Working Paper 297. Johann Heinrich von Thünen-Institut, Braunschweig. https://doi.org/10.3220/253-2026-205