Scholl, der nach der Grundschule auf eine Hauptschule wechselte, wo ihn sowohl Eltern als auch Lehrkräfte unter anderem aufgrund der vielen schon bekannten Kinder aus der Heimatregion gut aufgehoben sahen, erinnert sich: „Ich hatte dort eine gute Zeit, aber es wurde uns vermittelt: ‚Ihr seid auf der Hauptschule: Wenn ihr euch nicht anstrengt, wird aus euch sowieso nichts.‘“ Allerdings ist Peer Scholl niemand, der sich davon einschüchtern oder unterkriegen lässt. „Ich fühlte mich eher herausgefordert.“ So schloss er die Schule mit der mittleren Reife ab und erfüllte sich nach seiner Ausbildung zum Fremdsprachenassistenten mit einem mehrmonatigen Auslandsaufenthalt in Schottland einen lang ersehnten Traum. „Das war eine wegweisende Zeit für mich, in der ich über den Tellerrand schauen konnte und durch meine Arbeit in der Gastronomie eines Hotels viele Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt habe.“ Geprägt von dieser Erfahrung entschied der damals 19-Jährige nach seiner Rückkehr im Jahr 2010, dass ein klassischer Büro-Job keine Option für ihn ist. Stattdessen zog es ihn in eine Stadt mit internationalem Flair.
Von den Weltmeeren an die Uni
Berlin sollte der Startpunkt für eine ganze Reihe von Veränderungen sein, die für den jungen Mann nicht geplant, aber für sich genommen sehr wertvoll waren. Am Berlin-Kolleg holte er erfolgreich sein Abitur nach und ist den Lehrkräften von damals heute sehr dankbar: „Diese Schule war ein Glückfall für mich. Es war das erste Mal, dass mir jemand mein Potenzial aufgezeigt und mich gefördert hat. Dass ich studieren könnte, wäre mir so vorher nicht in den Sinn gekommen.“
Doch selbst mit dem Abitur in der Tasche war der Weg zum Studium noch lang – denn auch finanziell war es keine leichte Entscheidung für Peer Scholl, der ganz selbstverständlich stets nebenher für sein Auskommen gearbeitet hat. Aus diesem Grund fand sich der Abiturient mit Mitte 20 nicht etwa im Hörsaal, sondern auf Kreuzfahrtschiffen wieder. „Hier habe ich nicht nur meine spätere Frau und viele internationale Freunde kennengelernt: Die Jahre auf den Schiffen und der Austausch mit Gästen aus aller Welt waren der ausschlaggebende Punkt, mich für ein Studium für Deutsch als Fremdsprache zu entscheiden und zu erkennen, dass ich lehren und unterrichten möchte.“ Über den Bachelor an der Freien Universität Berlin wurde ihm schließlich der Master „Linguistik im Kontext“ an der Universität Potsdam empfohlen.
Vom Universitätsstipendium zur Denkwerkstatt
Auch diese Empfehlung sollte sich als passend erweisen. Scholl, inzwischen selbst Vater, kam dabei zunächst gar nicht auf den Gedanken, sich für sein Masterstudium um ein Stipendium zu bewerben. Wie viele andere verband er die Förderung durch Programme wie das Universitätsstipendium automatisch mit Spitzenleistungen im Studium, die für ihn mit kleinem Kind im Familienalltag sowie seinem Ehrenamt im Fachschaftsrat keine Priorität haben konnten. Dass aber auch das studentische Forschungsinteresse ein Kriterium etwa für die Auswahl für eine Denkwerkstatt sein kann, war ihm zunächst nicht klar. Doch weil es ihn reizte, im Rahmen des Stipendiums in Denkwerkstätten mitzuwirken, und weil das Universitätsstipendium soziale Kriterien ebenfalls berücksichtigt, bewarb er sich schließlich doch erfolgreich um einen Stipendienplatz. Heute forscht er als Stipendiat gemeinsam mit anderen Studierenden in der „Denkwerkstatt schulische Sprachwelten“. „Ausschlaggebend für mich war die Verbindung von Sprachwissenschaft und Inklusionspädagogik. Seit ich studiere, habe ich immer wieder gemerkt, wie wichtig es ist, aus einer anderen Perspektive in die Forschung hineinzuwirken, denn eigene und familiäre Migrationserfahrungen oder ein nicht-akademischer Hintergrund erweitern den Blick auf Fragen der Bildung und auf die Institution Schule, werden im akademischen Kontext aber selten geäußert. Genau dafür ist die Denkwerkstatt der ideale Ort. Hier ergeben sich Möglichkeiten, schon als Student Gehör im akademischen Diskurs zu finden, zum Beispiel durch Publikationen.“
Denkwerkstätten und auch die Denkfabriken sind dabei mit einem bestimmten Ziel ausgeschrieben. In der „Denkwerkstatt schulische Sprachenwelten“ geht es darum, einen Werkzeugkasten für den mehrsprachigen Unterricht für angehende Lehrkräfte zu entwickeln, damit sie besser mit den beruflichen Realitäten von Flucht, Migration und Vielfalt umgehen können, auf die sie in den Klassenzimmern treffen. Das ist es auch, was den Stipendiaten an dem Konzept besonders gut gefällt: „Hier gibt es viel Raum für kreative Auslegung. Für mich war von Anfang an klar, dass ich dort studentische Forschung betreiben und meine Masterarbeit schreiben möchte. Das forschende Arbeiten ist genau mein Ding. Und das war, wenn ich auf den Start meiner Bildungslaufbahn zurückblicke, wirklich nicht abzusehen.“ Daher wundert es auch nicht, dass Peer Scholl schon jetzt das nächste Ziel fest im Blick hat: die Promotion.
Das Potsdamer Universitätsstipendium wird im Rahmen des Deutschlandstipendiums des Bundesforschungsministeriums und mit Spenden finanziert. Studierende profitieren von einer monatlichen Unterstützung von 300 Euro über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr. Die Denkwerkstätten und Denkfabriken sind innovative Formate, die von der Universität Potsdam im Rahmen ihres Deutschlandstipendienprogramms entwickelt wurden. Sie möchten Studierende wie Peer Scholl unterstützen? Dann spenden Sie für das Universitätsstipendium!
Mehr Infos und Kontakt: Marianna Bähnisch, 0331 977-153073, E-Mail: stipendiumuunipotsdampde.
Mehr zur „Denkwerkstatt schulische Sprachwelten“: https://www.uni-potsdam.de/de/universitaetsstipendium/usp-denkfabriken/denkwerkstatt-sprachenwelten
Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2026 „Inklusion“.