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Im Rennen – Die Kanutin Hannah Spielhagen trainiert während des Psychologiestudiums erfolgreich für die Olympischen Spiele

  • Hannah Spielhagen im Portrait in Sportkleidung vor Kanus.
    Foto: Kevin Ryl
    Hannah Spielhagen vereint Psychologiestudium und Leistungssport.
  • Hannah Spielhagen im Winter wird im Strömungskanal trainiert.
    Foto: Kevin Ryl
    Im Winter wird im Strömungskanal trainiert.

Sitzend im Kajak, das Paddel im Wechsel links und rechts: Hannah Spielhagen kämpft gegen die Strömung an, der Einer bewegt sich dabei nicht von der Stelle. Es ist Winter, und das Training findet im Strömungskanal am Luftschiffhafen statt. Ein Messgerät zeigt die zurückgelegten Meter an: „Ich paddle so sechs bis acht Kilometer in ungefähr einer Stunde.“ Der Trainer schaut zu und korrigiert. „An den Starts und Sprints muss ich noch arbeiten“, sagt die 21-Jährige: „Meine Stärke sind eher die 500 und 1000 Meter.“

Die Kanutin hat es innerhalb kurzer Zeit an die Spitze geschafft. 2024 qualifizierte sie sich im Kanu-Rennsport für die U23-WM in Bulgarien und gewann gleich zweimal Gold: im Vierer und im Mixed-Zweier. Im Jahr darauf war sie bereits in der A-Mannschaft und bei den Weltcups dabei. „Bei der EM in Tschechien haben wir mit dem Vierer die Bronzemedaille bekommen, bei der WM in Mailand wurde es Platz elf. Damit bin ich ganz zufrieden.“ Der Durchbruch gelang dank des Trainings mit der höheren Altersgruppe: „Auf einmal hat’s funktioniert.“

Zum Interview findet sie gerade noch Zeit und die Klausuren an der Uni Potsdam muss sie verschieben – am nächsten Tag geht es mit dem Deutschen Kanu-Verband für mehrere Wochen ins Trainingslager nach Florida. Mindestens vier solcher Einheiten finden pro Jahr statt. „Im Winter fahren wir in Warmwasser-Lehrgänge, denn Paddeln geht auf dem zugefrorenen See nicht.“

Eigentlich war Hannah Spielhagen von klein auf Schwimmerin. Aufgewachsen in Caputh, eiferte sie ihrem großen Bruder nach, der diese Sportart leistungsmäßig betrieb. Als die Familie nach Werder umzog, kam sie auf die „Sportschule Potsdam Friedrich Ludwig Jahn“ und nahm bis 2020 an „kleineren Wettkämpfen“ teil, wie sie bescheiden sagt. „Das Größte war die Deutsche Jahrgangs-Meisterschaft.“

Der Anstoß, zum Kanusport zu wechseln, kam aus der Familie. Ihr Großvater und die Eltern waren Kanuten, ihr Vater und der Opa sogar Trainer. „Ich habe 2020 in der Corona-Zeit angefangen. Alles war geschlossen, aber wir konnten uns ein Boot ausleihen, und mein Vater hat mich auf dem Glindower See trainiert – also in den Anfängen.“ Im Laufe der 10. Klasse, als auch die Abschlussprüfungen anstanden, nahm sie gelegentlich am Training des Kanu-Clubs Potsdam teil. Der späte Einstieg sei kein Problem gewesen: „Ich war zwar nicht auf dem Level der anderen, doch die haben mir gute Tipps gegeben.“

Training und Ausbildung parallel zu bewältigen, das kennt die Kanutin schon lange. Die Schulzeit konnte sie auf 14 Jahre strecken und die Abiprüfungen auf zwei Jahre verteilen. „Das hat mir geholfen, beides unter einen Hut zu bekommen. Leider waren aber die anderen ein Jahr vorher fertig und dann weg.“ An der Uni, wo sie Psychologie studiert, ist es ähnlich. Dort wird Leistungs-Sportler*innen ein Nachteilsausgleich genehmigt, sodass etwa im Semester weniger Module zu bewältigen sind.

Das Fach Psychologie habe sie bereits in der Schulzeit interessiert: „Wie Menschen so ticken. Das Mentale ist ja auch im Sport sehr wichtig.“ Nun muss sie sich, da bislang keine Anwesenheitspflicht bestand, die Skripte in den Trainingspausen oder an freien Wochenenden hochladen und selbst erarbeiten. Hilfreich sei bei alldem die Laufbahnberatung am Olympia-Stützpunkt: „Die Zusammenarbeit mit den Professoren klappt super. Ohne ihr Verständnis für die vielen Sportler wäre es nicht möglich“, betont die Leistungssportlerin. „Durch das Trainingslager habe ich fast alle Klausurtermine verpasst, und wir müssen Ersatztermine finden.“

Das Training findet unter der Woche täglich statt: vor dem Mittagessen zwei Einheiten und nach drei Stunden Pause weitere ein bis zwei Einheiten, ebenso am Samstagvormittag – nur der Nachmittag und der Sonntag sind frei. „Ich versuche, mein Training so zu legen, dass ich in der Pause zu den Vorlesungen kann, aber das klappt nicht immer.“ Eine Herausforderung? „Ich war das ja schon von der Schule gewohnt.“

Im April steht die Quali an: „Ich möchte mich wieder für die A-Nationalmannschaft qualifizieren – damit ich bei Olympia ins Team komme und im Vierer sitze.“ Dafür sei nicht nur körperliches Training gefragt, sondern auch eine gute mentale Vorbereitung: „Jeder hat da seinen eigenen Weg.“ Mit Sporttherapeuten übt sie zum Beispiel, mit Stress umzugehen. „Ich schaue mir Videos und Fotos an, um mich daran zu erinnern, was ich in den vergangenen Jahren schon geschafft habe – und dass ich es kann“, erzählt sie. „Wenn ich ordentlich trainiert habe, muss ich mir eigentlich keine Sorgen machen. Dann habe ich alles gegeben.“

An freien Tagen versucht sie, wieder runterzukommen und sich zum Beispiel von einem anstrengenden Trainingslager zu erholen. Allerdings ist die Zeit, den Kontakt zu Freunden und zur Familie zu pflegen, sehr eingeschränkt – zumal dann auch das Lernen für die Uni ansteht. „Wichtig ist, dass viele meiner Freunde ehemalige Sportler sind. Die verstehen das.“

Damit nicht zu viele Stunden dabei draufgehen, zur Uni und zum Training zu fahren, ist Hannah Spielhagen zu ihrem Freund nach Potsdam gezogen. Im Sport haben jetzt die Olympischen Spiele 2028 in L.A. absoluten Vorrang: „Darauf trainiere ich hin.“

 

Dieser Text erschien im Universitätsmagazin Portal - Eins 2026 „Inklusion“.